Vier bis fünf angenehme Sommertage stehen uns laut aktueller Prognose von Tauernwetter noch bevor. Danach zeichnet sich nach derzeitigem Stand zum Monatswechsel eine Hitzewelle ab, die den Juni klar übertreffen und bei den Temperaturen an die höchsten je in Österreich gemessenen Werte heranreichen oder diese übertreffen könnte.
"Die Signale gibt es seit mehreren Tagen. Wir haben sie bewusst nicht veröffentlicht [...] und tagelang gezögert, das zu schreiben", informiert David Kaufmann von Tauernwetter Freitagfrüh. Aus zwei Gründen:
Eine Hitzewelle zehn Tage im Voraus anzukündigen, sei "meteorologisch unseriös", solange die Streuung der Modelle so groß ist. Zunächst habe vor allem das amerikanische GFS (NOAA) extreme Werte gerechnet. Die europäischen Modelle IFS und AIFS des ECMWF zeigten zwar ebenfalls eine sehr heiße Phase, aber deutlich moderater.
Die Schwankungsbreite ist inzwischen jedoch zusammengeschrumpft. Die europäischen Modelle würden sich ihrer Sache immer sicherer, erklärt Kaufmann: "Wenn drei unabhängige Modellsysteme unterschiedlicher Bauart auf dasselbe Ergebnis zulaufen und die Streuung gleichzeitig schrumpft, ist das der Punkt, an dem man es sagen muss."
Bedrückender Nachsatz: "Wir würden diese Prognose gerne wieder abschwächen – doch im Moment deutet wenig darauf hin, dass wir das können."
Zuerst gibt es aber noch eine gute Nachricht: Am Wochenende und bis Dienstag erlebt Österreich noch angenehmes Sommerwetter. Aber mit dem Mittwoch beginnt der Anstieg, so Kaufmann: "Und er hört vorerst nicht mehr auf!"
Die 14-Tage-Prognose für Klagenfurt zeigt ab Donnerstag durchgehend Werte von 35 Grad aufwärts, mit einem Höhepunkt um den 2. bis 4. August bei 38 bis 39 Grad. In Lienz liegen die wahrscheinlichsten Werte noch höher, dort ist bereits ab dem 30. Juli durchgehend die 38-Grad-Marke im Spiel.
Zur Einordnung: 39 Grad in Klagenfurt wären ein neuer Stationsrekord. Und in Lienz liegen die gerechneten Spitzenwerte über der Marke von Dellach im Drautal, die seit 2013 als Allzeitrekord für Kärnten und Osttirol gilt.
Die extreme Hitze macht auch vor dem Alpenhauptkamm nicht Halt. Für Wien zeigen die Modelle laut Tauernwetter vom 31. Juli an eine geschlossene Serie von 37 bis 41 Grad, mit dem Höhepunkt am 3. August.
"Wo der höchste Wert Österreichs am Ende tatsächlich gemessen wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Am heißesten wird es voraussichtlich im Süden und im Osten des Landes", sagt Kaufmann.
Also entweder in den Tälern und Becken Kärntens und Osttirols, etwa im Lavanttal, im Jauntal oder im oberen Drautal; oder im östlichen und südöstlichen Flachland, etwa im Marchfeld, im Wiener Becken, am Neusiedler See, im südlichen Burgenland oder in der Südsteiermark.
Diese Gebiete kommen alle als Rekordkandidat infrage, und mehrere von ihnen haben in der Vergangenheit schon Höchstmarken geliefert. Der Meteorologe betont: "Sicher ist nur: Wenn sich die aktuellen Läufe bewahrheiten, geraten die Allzeitrekorde nicht nur in einzelnen Bundesländern in Reichweite, sondern praktisch überall."
Die höchste jemals in Österreich gemessene Temperatur steht seit dem 8. August 2013 bei 40,5 Grad in Bad Deutsch-Altenburg. Der Rekord für Kärnten und Osttirol liegt bei 39,9 Grad, aufgestellt in Dellach im Drautal wenige Tage zuvor. Für Tirol steht die Marke bei 38,9 Grad in Lienz, gemessen am selben Tag. Und in Wien-Innere Stadt wurden erst am 28. Juni dieses Jahres glatte 40,0 Grad gemessen, ein neuer Stationsrekord.
Zehn Tage sind in der Meteorologie eine lange Zeit. Hochauflösende regionale Modelle reichen nur zwei bis drei Tage, selten fünf Tage, in die Zukunft. Spätestens ab einer Woche in die Zukunft arbeitet praktisch jeder Wetterdienst und jede App weltweit mit denselben beiden Globalmodellen IFS und GFS.
"Wenn IFS und GFS auseinanderlaufen, kann niemand seriös sagen, welches recht behält. Wenn sie zusammenlaufen, so wie jetzt, ist das das stärkste Argument, das die Meteorologie auf zehn Tage zu bieten hat", konstatiert Kaufmann.
Er hofft trotz alledem, dass sich die Prognose in den nächsten Tagen noch entschärft. Realistische Szenarien für eine Abschwächung – "was uns noch retten könnte" – gibt es nämlich auch: Eine früher als gerechnete Störung von Westen würde den Aufbau der Hitze unterbrechen. Ein etwas anderer Verlauf der Höhenströmung würde die heißeste Luft westlich oder östlich an uns vorbeiführen.
Und selbst wenn die Großwetterlage hält, entscheiden lokale Faktoren – Bodenfeuchte, Bewölkung am Vormittag, Föhneffekte – über die letzten zwei, drei Grad, betont der Kärntner Meteorologe. "Und genau die machen bei Rekorden den Unterschied." Die Hitzewelle sei deshalb "in dieser Form weder gesichert noch ausgeschlossen".