Murat Yakin hat die Schweiz trotz vieler Höhen und Tiefen erneut zu einer WM geführt. Der frühere Bundesliga-Profi steht seit fast fünf Jahren an der Seitenlinie der "Nati" und erlebt dort regelmäßig extreme Stimmungsschwankungen. Im Mittelpunkt steht Kapitän Granit Xhaka, der sich längst zur unumstrittenen Führungsfigur des Schweizer Fußballs entwickelt hat.
Murat Yakin hat schon einiges erlebt in seinen bald fünf Jahren als Schweizer Nationaltrainer. Beißende Kritik und laute Lobeshymnen haben sich regelmäßig abgewechselt, Tiefschlägen wie der 1:6-Blamage gegen Portugal bei der WM in Katar oder dem Abstieg aus der Nations League folgten Höhepunkte wie die starke EM in Deutschland oder ein 2025 ohne Niederlage inklusive ungefährdeter WM-Quali. Yakin, als Innenverteidiger einst Profi in Stuttgart oder Kaiserslautern und selbst Schweizer Nationalspieler, ist immer noch da - und führt die "Nati" in diesem Sommer zum dritten Mal in ein großes Turnier.
Vor Kontroversen oder Provokationen ist Granit Xhaka noch nie zurückgeschreckt, doch etwas hat sich verändert. Das Bild vom ungestümen Jungspieler hat der 33-Jährige abgelegt, Xhaka ist in der Schweiz Rekordnationalspieler, Kapitän und unangefochtener Anführer. Die jüngsten Höhenflüge wie etwa bei der EM vor zwei Jahren, als der Mittelfeldspieler mit der "Nati" nach einer historischen Saison bei Bayer Leverkusen nur um ein Haar das Halbfinale verpasste, werden in der Schweiz nicht zuletzt Xhaka und seiner persönlichen Entwicklung angerechnet.
Die bislang einzige WM in den USA hat auch in der Schweiz eine spezielle Bedeutung. In diesem Sommer ist die "Nati" zwar schon zum sechsten Mal in Folge bei einer WM dabei, doch es gab auch mal andere Zeiten. 28 Jahre lang konnten sich die Schweizer zwischen 1966 und 1994 nicht für eine Endrunde qualifizieren, sechs Turniere verpassten sie - bis ein Engländer aushalf: Roy Hodgson führte die Schweiz zum Turnier in die USA und dort bis ins Achtelfinale. Die nachfolgende Durststrecke von zwölf Jahren war aus heutiger Sicht verkraftbar, seit 2006 ist die Schweiz WM-Stammgast.