Zahlen sinken nicht – Ende von Lockdown wackelt

Österreich befindet sich noch bis 8. Februar im harten Lockdown. Doch die Hinweise verdichten sich, dass dieses Datum nicht halten könnte.

Bundeskanzler Sebastian Kurz stellte vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem Sender Puls 4 unmissverständlich klar, dass eine langsame Öffnung ab dem 8. Februar nur dann möglich sei, wenn die Zahl der Neuinfektionen in Österreich sinkt. "Im Idealfall haben wir die Möglichkeit, am 8. Februar Öffnungsschritte zu setzen. Können wir das garantieren? Nein", erklärte Kurz in dem Gespräch.

Die Regierung will die Zahl der Corona-Fälle bis Anfang Februar jedenfalls auf unter 700 Neuinfektionen pro Tag runterdrücken, doch davon ist man derzeit weit entfernt. In den vergangenen Tagen sind die Neuinfektionen nämlich nicht gesunken, sondern gestiegen. Am gestrigen Freitag wurden österreichweit gar wieder über 2.000 Fälle an nur einem Tag verzeichnet - und das im Lockdown!

Eine Trendwende der Corona-Lage im Land ist aktuell also eher nicht in Sicht, die Zahlen sprechen momentan noch gegen eine baldige Öffnung von Schulen, Handel, Restaurants und Hotels. Stattdessen verdichten sich nun immer mehr die Anzeichen, dass der Hammer-Lockdown verlängert werden könnte. Das geplante Öffnungs-Datum am 8. Februar wackelt gehörig. Grund dafür ist unter anderem auch die Ausbreitung der britischen Virus-Variante B117 im Land.

"Wissen nicht, ob wir Corona-Mutation im Griff haben"

"Man muss zwei Dinge beachten", wird der Wiener Simulationsforscher Niki Popper in der "Kronen Zeitung" zitiert. "Zum einen die Entwicklung der Neuinfektionen, die zwar langsam, aber stabil nach unten geht - nächste Woche sollten wir bei den täglichen Fallzahlen unter die 1.000 kommen. Zum anderen kennen wir aber die Effekte der Mutation noch nicht und wissen deshalb noch nicht, ob wir sie im Griff haben".

Laut dem Mathematiker sei eine Öffnung von Handel, Hotel und Co. auch nur dann sinnvoll, wenn die Corona-Zahlen einen vernünftigen Wert erreicht haben. Wichtig sei, dass das Testen, das Contact-Tracing und das Isolieren funktioniere, heißt es in dem Bericht weiter. Gesundheitsminister Rudolf Anschober sieht die Sache ähnlich und erklärte, dass bei einer Zahl von 1.500 Neuinfektionen pro Tag, "niemand garantieren könne, dass die angestrebte vorsichtige Öffnung durchgeführt werden kann".

Der Wiener Intensivmediziner Thomas Staudinger glaubt jedenfalls nicht, dass die angepeilte Öffnung des Landes ab 8. Februar halten wird. "Ich würde es mir sehr wünschen, bin aber skeptisch, dass es wirklich so ist", so Staudinger am Freitag in einem PULS24-Interview. Grund dafür ist die Virus-Mutation B117! "So ganz sicher bin ich mir nicht, ob das schon ausgestanden ist. Und ich glaube, vor März / April wird man das nicht beurteilen können."

Die Bundesregierung setzt sich am kommenden Montag, 25. Jänner, mit Experten, den Ländern und der Opposition zusammen und spricht über aktuelle Lage und die Entwicklung der Corona-Pandemie in Österreich. Ziel der Regierung sei es laut APA, "mit den Landeshauptleuten und der Opposition den aktuellen Wissensstand der Fachleute zur Infektionslage, den Mutationen und den darauf basierenden Prognosen zu teilen".

B117 bereitet Regierung Sorgen

Gegenüber der APA stellte man aus dem Bundeskanzleramt dabei aber klar, dass es bei den Gesprächen nicht darum gehe werde, wie es nach dem Lockdown ab 8. Februar weitergehen soll. In vielen EU-Ländern sehe man derzeit eine drastische Verschärfung der Corona-Situation. Unter anderem etwa in Deutschland, wo der Lockdown (vorerst) bis Mitte Februar verlängert wurde - unter anderem wegen der raschen Ausbreitung der Virus-Mutation B117.

Die britische Virus-Mutation breitet sich dabei auch in Österreich immer weiter aus. Die Regierung beobachtet dabei genau, wie sich die Corona-Variante aus Großbritannien auf das Infektionsgeschehen im Land auswirkt, heißt es weiter. "Von dieser Entwicklung hängen alle weiteren Schritte ab", so das Bundeskanzleramt gegenüber der APA.

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