Schockierende Studie: Eine repräsentative Befragung unter 1.600 Personen zeigt, wie stark die finanzielle Belastung mittlerweile die Entscheidungen beim Zahnarzt beeinflusst.
Dem Allianz Gesundheitsbarometer 2026 zufolge haben bereits 40 Prozent der Befragten eine Zahnbehandlung aus Kostengründen komplett ausgelassen. Weitere 38 Prozent haben einen Eingriff wegen der Kosten zumindest verschoben.
Dabei mangelt es offenbar nicht am Bewusstsein für gesunde Zähne: 85 Prozent geben an, gewissenhaft auf ihre Zahnpflege zu achten. 73 Prozent gehen mindestens einmal im Jahr zur Kontrolle.
Was hält die Menschen also vom Zahnarzt ab? Für 47 Prozent sind die Kosten ein Hindernis. Bei Frauen trifft das mit 53 Prozent häufiger zu als bei Männern mit 41 Prozent.
Die Angst vor der eigentlichen Behandlung spielt dagegen eine deutlich kleinere Rolle: Sie wird von 19 Prozent als Hinderungsgrund genannt.
"Am Bewusstsein für gesunde Zähne fehlt es kaum – eher an der Möglichkeit, konsequent danach zu handeln. Das ist keine Frage der Einstellung, sondern der Umstände", sagt Dr. Jörg Hipp von der Allianz Österreich.
Besonders teuer wird Zahnersatz empfunden. 87 Prozent nennen diesen Bereich, gefolgt von Zahnkorrekturen mit 80 Prozent und ästhetischen Eingriffen mit 75 Prozent. Mehr als drei Viertel der Befragten kennen zudem jemanden, der bereits mit hohen Kosten für eine Zahnbehandlung konfrontiert war.
Auch beim Einkommen zeigen sich Unterschiede. In Haushalten mit einem Einkommen von bis zu 1.999 Euro geben 78 Prozent an, ihre Zähne gewissenhaft zu pflegen. Bei einem Haushaltseinkommen zwischen 5.000 und 5.999 Euro sind es 92 Prozent.
Generell ist die Zufriedenheit mit der zahnmedizinischen Versorgung hoch: 71 Prozent beurteilen sie als sehr gut oder eher gut. Besonders positiv wird die fachliche Kompetenz bewertet, hier sind es 81 Prozent.
Ganz anders sieht es beim Kosten-Leistungs-Verhältnis aus. Lediglich 28 Prozent bewerten dieses als sehr gut oder eher gut. Mit den Wartezeiten sind 42 Prozent zufrieden.
Wie entscheidend die Kosten sind, zeigt ein Gedankenexperiment aus der Befragung: Würden die Behandlungskosten vollständig übernommen, würde die Bereitschaft zu zahlreichen Eingriffen deutlich steigen.
Bei Zahnspangen und anderen Korrekturen würde sie von 29 auf 71 Prozent steigen, bei Bleaching von 31 auf 75 Prozent. Bei Implantaten wären statt 47 Prozent sogar 81 Prozent zu einer Behandlung bereit. Bei Zahnfleischbehandlungen würde der Anteil von 63 auf 86 Prozent wachsen.
Zusätzlich herrscht bei den Kosten offenbar viel Unsicherheit. Nur 36 Prozent fühlen sich ausreichend über die Preise von Zahnbehandlungen informiert. Ebenfalls lediglich 36 Prozent geben an, die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ausreichend zu kennen.
Aktuell verfügen der Studie zufolge fünf Prozent über eine private Zahnzusatzversicherung. 38 Prozent könnten sich grundsätzlich vorstellen, ihre Zähne zusätzlich zu versichern.
Die Studie zeigt außerdem Wissenslücken bei der Zahngesundheit. 65 Prozent der Befragten wissen demnach nicht, dass Karies eine Infektionskrankheit ist.
Auch mögliche Zusammenhänge zwischen Mund- und Allgemeingesundheit sind vielen nicht bekannt. 49 Prozent wissen laut Befragung nicht, dass Kariesbakterien Allgemeinerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes begünstigen können.
"Karies ist eine Infektionskrankheit und Zahnfleischentzündungen bleiben nicht auf den Mund beschränkt. Beides ist in der Bevölkerung zu wenig präsent. Dass ausgerechnet die jüngste Generation hier am schlechtesten abschneidet, ist aus zahnmedizinischer Sicht ein alarmierendes Ergebnis", sagt Dr. Birgit Vetter-Scheidl von der Österreichischen Zahnärztekammer.