Es ist nicht das erste Mal, das sich US-Präsident Donald Trump unzufrieden mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj zeigte. Diesmal dürfte der Diesel-Deal des US-Präsidenten mit Kreml-Chef Wladimir Putin der Grund sein.
Es ist nämlich fraglich, ob Russland die Mengen an Treibstoff überhaupt liefern kann. Immerhin wurden zahlreiche Raffinerien des Landes von der Ukraine angegriffen und beschädigt. Zuletzt hatte Trump Selenskyj angewiesen, diese Angriffe zu unterlassen. Der ukrainische Präsident betonte seinerseits, dass Kiew die Angriffe auf Raffinerien stoppe, wenn Moskau aufhöre, ukrainische Energieanlagen zu bombardieren.
Auch der nunmehrige Deal verschärfte die Stimmung zwischen der Ukraine und den USA. Selenskyj antwortete darauf mit Kritik, die nun offenbar eine Reaktion hervorrief. Vor Reportern im Weißen Haus ließ Trump seinem Ärger freien Lauf. "Wissen Sie, was ich vorschlage? Ich schlage vor, dass sie einen neuen Führer bekommen, der einen Deal machen könnte, weil er viele Deals hätte machen können, und aus irgendeinem Grund tut er es nie. Ich denke, es ist Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt", so der US-Präsident.
Des Weiteren sagte Trump, dass Selenskyj den Krieg schon lange hätte beenden können, sich allerdings für das Gegenteil entschieden hätte. Außerdem hätte der Krieg nie angefangen, wenn Trump zu diesem Zeitpunkt Präsident gewesen wäre. Einen Beweis für diese Behauptung brachte er nicht vor. Auch den Umstand, dass Putin den Krieg begonnen und mehrfach Verhandlungen abgelehnt hatte, erwähnte der US-Präsident nicht. Abschließend sagte der US-Präsident, dass Selenskyj seine Angriffe auf Raffinerien besser stoppen sollte.
Die Lage für Trump ist ernst. Er muss angesichts der schlechten Umfragewerte für die bevorstehenden Midterms Erfolge vorlegen. Der US-Präsident will bei der Bevölkerung mit billigem Treibstoff punkten. In den USA sind die Spritpreise durch den eigenen Krieg gegen den Iran stark angestiegen. Doch auch durch das Abkommen mit Russland erwarten sich Experten keine Entspannung.
Grund dafür ist der hohe US-Verbrauch. So sollen im Oktober 300.000 Tonnen (2,24 Millionen Barrel) von Russland geliefert werden. Selbst wenn man annimmt, dass davon die gesamte Menge nur den USA zugutekommt, würde dies nicht einmal für einen Tag reichen. Laut der Energiebehörde EIA beträgt der durchschnittliche US-Verbrauch nämlich 3,7 Millionen Barrel pro Tag. Nach etwa 14 Stunden wäre die Oktober-Lieferung damit leer.
Dem russischen Vizeregierungschef Alexander Nowak zufolge sollen im November 500.000 Tonnen folgen, eine Million dann im Dezember. Zudem deutete Trump an, dass weitere drei Millionen Tonnen Diesel geliefert werden könnten. Damit könne man den Verbrauch der USA allerdings nur für knapp zehn Tage decken. Energie-Experte Gregory Brew sprach gegenüber CNN von einem "Trostpflaster". Der Deal nütze demnach vor allem Putin.