US-Präsident Donald Trump feierte seinen abgeschlossenen Diesel-Deal mit Kreml-Chef Wladimir Putin als "große Sache" und dankte dem russischen Machthaber. Auch Putin selbst sprach von positiven Auswirkungen auf die "gesamte Weltwirtschaft", die durch die Lieferungen von Erdöl und Erdölprodukten passieren sollen.
Experten zeichnen hingegen ein eher kritisches Bild. Für sie ist der einzige Gewinner dieses Deals der Mann im Kreml. Energie-Fachmann Gregory Brew sprach gegenüber CNN von einem "Trostpflaster" und zweifelte daran, dass die Preise durch den Handel sinken werden.
Dies wäre für Trump allerdings sehr wichtig. Vor den anstehenden Midterms muss der US-Präsident einen Erfolg verzeichnen, um gegen die schlechten Umfragewerte anzukämpfen. Auch in den USA sind die Spritpreise durch den Iran-Krieg in die Höhe geschossen. Trump will bei der Bevölkerung mit billigem Treibstoff punkten, doch die Zahlen würden dies wohl kaum hergeben.
Grund dafür ist der hohe US-Verbrauch. So sollen im Oktober 300.000 Tonnen (2,24 Millionen Barrel) von Russland geliefert werden. Selbst wenn man annimmt, dass davon die gesamte Menge nur den USA zugutekommt, würde dies nicht einmal für einen Tag reichen. Laut der Energiebehörde EIA beträgt der durchschnittliche US-Verbrauch nämlich 3,7 Millionen Barrel pro Tag. Nach etwa 14 Stunden wäre die Oktober-Lieferung damit leer.
Dem russischen Vizeregierungschef Alexander Nowak zufolge sollen im November 500.000 Tonnen folgen, eine Million dann im Dezember. Zudem deutete Trump an, dass weitere drei Millionen Tonnen Diesel geliefert werden könnten. Damit könne man den Verbrauch der USA allerdings nur für knapp zehn Tage decken. Des Weiteren ist unklar, ob Russland die Lieferungen überhaupt einhalten kann. Der Kreml betonte, dass einige Raffinerien durch ukrainische Angriffe beschädigt wurden.
Bereits in der vergangenen Woche machte der US-Präsident die Ukraine für die weltweite Dieselknappheit verantwortlich – sein eigener Krieg gegen den Iran sei nicht schuld. Trump forderte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu auf, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Wie "Axios" unter Berufung auf einen anonymen US-Beamten berichtet, soll der US-Präsident den Deal mit Putin geschlossen haben, weil die Ukraine die Attacken nicht einstellte.
Selenskyj zeigte sich gegenüber "Axios" verärgert über das Abkommen zwischen Russland und den USA. Er betonte erneut, dass man die Angriffe auf Raffinerien einstelle, wenn die russische Armee aufhöre, ukrainische Energieanlagen zu bombardieren. Laut der Ansicht des ukrainischen Staatschefs seien die Kräfte der USA ausreichend, um einen solchen Kompromiss erzielen zu können.