Mit widersprüchlichen Aussagen und einer ungewöhnlichen Szene im Gerichtssaal endete ein Strafprozess am Landesgericht Feldkirch. Zwei Somalier mussten sich wegen des Verdachts des räuberischen Diebstahls verantworten. Am Ende reichte die Beweislage dafür jedoch nicht aus.
Laut Anklage sollen die beiden Beschuldigten Ende Jänner einen Mann unter dem Vorwand, Geld wechseln zu wollen, von einem Wettlokal in Dornbirn in eine Seitengasse gelockt haben. Dort sollen sie ihm einen 100-Euro-Schein abgenommen und dabei Gewalt angewendet haben.
Videoaufnahmen zeigten zwar, dass die drei Männer gemeinsam das Wettlokal verließen, den mutmaßlichen Übergriff selbst dokumentierten sie jedoch nicht.
Vor Gericht bestritten die Angeklagten die Vorwürfe. Sie erklärten laut "Kronen Zeitung" stattdessen, es habe sich lediglich um einen Cannabis-Deal im Wert von 20 Euro gehandelt. Das vermeintliche Opfer habe die vereinbarte Zahlung nicht geleistet.
Zusätzliche Verwirrung stiftete der Zeuge selbst. Während er den Zweitangeklagten bei der Polizei noch belastet hatte, erklärte er vor Gericht plötzlich, mit ihm befreundet zu sein und dass dieser sogar geschlichtet habe.
Richter Elias Klingseis zeigte sich von den Aussagen wenig überzeugt. "Diese Geschichte kaufe ich Ihnen nicht ab", sagte er laut "Krone". Der Zeuge reagierte darauf mit den Worten: "Alles gut, Bro." Die Antwort des Richters ließ nicht lange auf sich warten: "Ich bin nicht Ihr Bruder!"
Auch die Staatsanwältin zweifelte die Glaubwürdigkeit des Zeugen an. Dieser habe "sicher nicht ganz die Wahrheit erzählt", wird sie in der "Krone" zitiert.
Für eine Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls reichten die Beweise letztlich nicht aus. Beide Angeklagten wurden in diesem Punkt freigesprochen.
Für den einschlägig vorbestraften Erstangeklagten hatte der Prozess dennoch Folgen: Nach einer Ausdehnung des Strafantrags wurde er wegen unerlaubten Suchtgiftbesitzes zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt, berichtet die "Krone".
Außerdem wurde die Probezeit einer früheren bedingten Strafe auf fünf Jahre verlängert.