In ganz Europa gibt es ein Problem: Es werden zu wenige Kinder geboren. 2025 wird es in Frankreich zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg mehr Todesfälle als Geburten geben. Auch andere Länder stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Fachleute sprechen laut "20 Minuten" schon vom "Zeitalter der Entvölkerung".
Frankreichs Gesundheitsministerium setzt jetzt einen 16-Punkte-Plan um. Das Ziel: Die Bevölkerung wieder wachsen zu lassen – eine "demografische Wiederaufrüstung", wie Präsident Emmanuel Macron es nennt. Ein Teil des Plans: Alle Frauen in Frankreich bekommen nach ihrem 29. Geburtstag einen Brief. Darin steht, dass sie zwischen 29 und 37 Jahren ihre Eizellen kostenlos einfrieren lassen können. Das berichtet die "Sunday Times" unter Berufung auf Gesundheitsministerin Stéphanie Rist.
Heuer werden auch Männer angeschrieben. "Die biologischen Uhren sind nicht gleich, aber auch Männer haben eine", so das Büro des Gesundheitsministeriums. Im Schreiben werden sie über Unfruchtbarkeit und mögliche medizinische Lösungen informiert. Gesundheitsministerin Rist betonte bei der Präsentation des Plans, das sei längst überfällig. Immerhin hat jedes achte Paar im Land Probleme beim Kinderkriegen – oft liege es auch am Mann.
Frankreich, das in Filmen und Büchern oft als Land voller leidenschaftlicher Liebhaber dargestellt wird, steht also vor einer echten Fruchtbarkeitskrise. Die Ministerin betont aber: Der Brief soll kein Eingriff in die Privatsphäre sein, sondern einfach informieren.
Nicht alle finden die Aktion gut. Psychologin Marie-Estelle Dupont meint laut Times, die Regierung sollte lieber den Mutterschaftsurlaub von 16 auf 26 Wochen verlängern, anstatt Briefe zu verschicken. Auch in den sozialen Medien machen viele ihrem Ärger Luft: Sie vermissen Jobs, Perspektiven und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – und keine Erinnerungsschreiben zum Kinderkriegen.
Paul Brunstein-Compard, ein 29-jähriger Kabarettist aus Paris, sagt, der Brief fühle sich an, als würden Erwachsene wie Kinder behandelt. Das Ministerium meint dagegen, man wolle vermeiden, dass Menschen später sagen: "Hätte ich das nur früher gewusst". Gesundheitsministerin Rist: "Niemand soll mehr bedauernd sagen müssen, hätte ich doch nur gewusst, welche Lösungen es gibt".
Neben den Briefen setzt der 16-Punkte-Plan auch auf eine bessere Diagnose von Unfruchtbarkeit. Paare, die betroffen sind, sollen laut "FAZ" schneller medizinische Hilfe bekommen. Krankheiten wie Endometriose oder das polyzystische Ovarsyndrom, die Unfruchtbarkeit auslösen können, sollen besser behandelt werden.
Geplant sind außerdem 30 neue Zentren zum Einfrieren von Eizellen – zusätzlich zu den 40, die es schon gibt. Das Einfrieren ist für Frauen zwischen 29 und 37 Jahren bereits gesetzlich erlaubt, auch ohne medizinischen Grund. In der Praxis gibt es aber oft lange Wartezeiten. Künftig sollen auch private Anbieter Eizellen einfrieren dürfen – wenn sie das kostenlos machen.
Frankreich ist übrigens nicht das erste Land, das solche Maßnahmen setzt. Vor rund zehn Jahren machte die halb-ernste Kampagne "Do it for Denmark" eines Reisebüros Furore (siehe Video).