Kein einziger Zähler von der Jury für seinen Song "Wenn ich rauche". Ein Schockmoment, der im Studio fast greifbar war. Vor allem, weil Kommentator Eric Papilaya zuvor noch betont hatte, Sidrit sei "genau der Richtige für den ESC" – nicht zuletzt wegen seiner bewegenden Geschichte.
Sidrit Vokshi kam als Kind aus dem Albanien-Krieg nach Wien, lernte Deutsch mithilfe einer CD von Maria Bill – und verliebte sich über diese Sprache in den Austropop. Eine Geschichte, wie gemacht für den Eurovision Song Contest. Umso härter fiel das Urteil der Fachjury aus.
Doch während Sidrit im ORF-Studio leer ausging, passiert draußen gerade das Gegenteil.
In den iTunes-Charts zeigt sich ein völlig anderes Bild: Sidrit liegt aktuell auf Platz 2 – nur geschlagen vom großen Favoriten Cosmó mit seinem ESC-Sieger-Song "Tanzschein". Ihn wird Sidrit wohl nicht mehr vom Thron stoßen. Aber der zweite Platz fühlt sich wie eine späte, sehr deutliche Antwort an.
Sidrit selbst bleibt erstaunlich ruhig und dankbar. Auf Instagram meldete er sich nach der Show mit ehrlichen Worten: "Vor ein paar Wochen war ich noch gar nicht Kandidat für Vienna Calling und am Freitag stand ich dann plötzlich auf dieser riesigen wunderschönen Bühne. Mein einziges Ziel war es, 'Wenn ich rauche' zu hundert Prozent ehrlich und ohne Filter auf die Bühne zu bringen. Als ich die ersten Töne gesungen habe, ist die ganze Anspannung einfach abgefallen."
Kein Groll, kein Drama – stattdessen Dankbarkeit für eine kurze, aber intensive ESC-Reise.
Unterm Strich bleibt ein klassischer Eurovision-Moment: Die Jury sagt Nein – das Publikum sagt Ja. So konnte irgendwie jeder seinen eigenen Sieg mit nach Hause nehmen.