In der SPÖ kracht es wegen des Kopftuchverbots für junge Mädchen. Der burgenländische SPÖ-Klubobmann und Präsidiumsmitglied Roland Fürst übt scharfe Kritik an der Sozialistischen Jugend (SJ) - und nimmt dabei auch Parteichef Andreas Babler in die Pflicht.
"Andreas Babler muss jetzt endlich für Ordnung in den eigenen Reihen sorgen und die Sozialistische Jugend nach ihrem Protest gegen das Kopftuchverbot zur Räson bringen", fordert Fürst am Dienstag.
Der SPÖ-Politiker kritisiert, dass die Debatte aus seiner Sicht zu stark auf Religionsfreiheit und Diskriminierung reduziert werde. Damit mache es sich die SJ "viel zu einfach", ist Fürst überzeugt. Gerade bei Kindern müssten andere Fragen im Vordergrund stehen. "Der Schutz, die freie Entwicklung und die Selbstbestimmung der Mädchen" müssten entscheidend sein, betont der Sozialdemokrat.
Besonders kritisch sei die Vorstellung zu hinterfragen, wonach bereits kleine Mädchen ihren Körper oder ihre Haare gegenüber Männern verhüllen müssten. "Warum soll einem Mädchen schon im Kindergarten- oder Volksschulalter vermittelt werden, dass es sich aufgrund seines Geschlechts anders kleiden und bedecken muss?", fragt der Klubobmann. Wer Gleichberechtigung ernst nehme, könne diese Frage seiner Ansicht nach nicht ignorieren.
Noch deutlicher wird Fürst bei den Geschlechterrollen, die seiner Ansicht nach mit einer Verhüllung bereits im Kindesalter verbunden sein können. "Kinder sollen Kinder sein dürfen. Mädchen dürfen nicht schon im Kindesalter mit Vorstellungen über Scham, Verhüllung und die Wirkung ihres Körpers auf Männer belastet werden."
Fürst bezeichnet das als "frühzeitige Sexualisierung und Trennung der Geschlechterrollen", die kritisch hinterfragt werden müsse.
Für SPÖ-Chef Andreas Babler hat Fürst deshalb eine klare Botschaft. Dieser könne sich bei der Grundsatzfrage "nicht wegducken". Wenn die eigene Jugendorganisation gegen das Kopftuchverbot mobilisiere, müsse Babler klarstellen, ob das auch der politischen Linie der SPÖ entspreche. Falls nicht, müsse der Parteichef die SJ "unmissverständlich zur Räson bringen", fordert Fürst.