Ab 5. November arbeiten Frauen in Österreich rechnerisch bis zum Jahresende "gratis". Der sogenannte Equal Pay Day macht auf die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam. Heuer findet er drei Tage später als im Vorjahr statt.
Der Vergleich zeigt: Während Männer bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung durchschnittlich 67.988 Euro brutto im Jahr verdienen, kommen Frauen auf 57.446 Euro. Das sind 10.542 Euro beziehungsweise 15,5 Prozent weniger. Umgerechnet entspricht dieser Unterschied 57 Tagen, für die Frauen im Verhältnis zu Männern rechnerisch kein Gehalt bekommen.
Im Bundesländervergleich schneidet Wien am besten ab. Hier fällt der Equal Pay Day erst auf den 23. November. Trotzdem gibt es auch in der Bundeshauptstadt deutliche Einkommensunterschiede.
Männer verdienen in Wien durchschnittlich 69.451 Euro brutto im Jahr, Frauen hingegen 62.112 Euro. Damit fehlen Frauen im Schnitt 7.339 Euro beziehungsweise 10,6 Prozent auf das Einkommen der Männer.
Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) fordert Maßnahmen gegen die Einkommensunterschiede. "Gerechte Löhne und Gehälter, das ist die wichtigste Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und faire Pensionen. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Frauen noch immer schlechter bezahlt werden als Männer", betont sie.
Besonders wichtig sei dabei mehr Transparenz bei den Gehältern. "Deswegen ist die Lohntransparenz das Gebot der Stunde! Unser aller Ziel muss deshalb unmissverständlich heißen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", so Hanel-Torsch.
Auch Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl sieht Handlungsbedarf. Sie verweist auf die EU-Lohntransparenz-Richtlinie, die Einkommensunterschiede sichtbarer machen soll. "Jetzt ist es an der Zeit, dieses gute Instrument zu nutzen und auch in Österreich so umzusetzen, dass Frauen Gerechtigkeit endlich auch auf dem Gehaltskonto spüren", fordert Anderl.
Ein weiteres Problem ist laut den Verantwortlichen die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit. Frauen übernehmen häufig einen Großteil der Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege von Angehörigen. Das betrifft auch Frauen, die Vollzeit beschäftigt sind.
Sandra Steiner, geschäftsführende ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende, drängt deshalb auf eine rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenz-Richtlinie. Sie fordert außerdem mehr Kinderbetreuungsplätze, um die beruflichen Möglichkeiten von Frauen zu verbessern. "Transparenz macht Lohndiskriminierung sichtbar und hilft, die Einkommensschere zu schließen", erklärt Steiner.
Anlässlich des Equal Pay Day informieren das Frauenservice Wien, die ÖGB-Frauen und die Arbeiterkammer am 4. November von 15 bis 17 Uhr auf der Mariahilfer Straße auf Höhe der Hausnummer 45 über Einkommensgerechtigkeit.
Zusätzlich bietet das Frauenservice im November gemeinsam mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) kostenlose Workshops zu beruflichen Perspektiven, Digitalisierung und Nachhaltigkeit an.