Hunderte Kinder, Familien und Unterstützer gingen am Samstag bei der Kidical Mass in Wien auf die Straße. Gemeinsam mit der Volkshilfe setzten sie ein deutliches Zeichen gegen Kinderarmut. Die Aktion ist Teil der österreichweiten "Tour de Chance", die heuer bereits zum fünften Mal stattfindet.
Der Hintergrund ist alarmierend: Laut aktuellen Daten der Statistik Austria ist jedes fünfte Kind in Österreich von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Besonders betroffen ist Wien. Dort gelten rund 125.000 Kinder und Jugendliche als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.
Die Folgen reichen weit über finanzielle Sorgen hinaus. Betroffene Kinder müssen oft auf gesunde Ernährung, medizinische Behandlungen oder ein gutes Wohnumfeld verzichten. Auch soziale Aktivitäten bleiben vielen verwehrt.
„Die Zukunft der Kinder darf nicht vom Einkommen der Eltern abhängen“Erich FenningerDirektor der Volkshilfe Österreich
"Kinderarmut ist oft unsichtbar. Viele Kinder entwickeln Strategien, um ihre Situation zu verbergen. Sie verzichten auf das Eis beim Billa, die Geburtstagsfeier, oder den Besuch im Schwimmbad. Sie sagen Einladungen ab und versuchen, ihre Armut vor Gleichaltrigen zu verstecken. Das schränkt ihre soziale Teilhabe massiv ein und nimmt ihnen Entwicklungschancen. Dagegen treten wir als Volkshilfe an. Die Zukunft der Kinder darf nicht vom Einkommen der Eltern abhängen", so Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.
Mit der "Tour de Chance" will die Volkshilfe den Druck auf die Politik erhöhen. Die Organisation fordert die Einführung einer Kindergrundsicherung, um die Weitergabe von Armut an die nächste Generation zu verhindern. Im Juni macht die Tour noch in mehreren Bundesländern Halt.
Die Botschaft der Radfahrer ist klar: Kinderarmut soll nicht länger übersehen werden - und die Politik müsse jetzt handeln.