In den Wiener städtischen Kindergärten herrscht derzeit ein eklatanter Personalmangel. Laut MA 10 (Kindergärten) "werden rund 560 offene Dienstposten von Elementarpädagog*innen sowie 290 Inklusiven Elementarpädagog*innen verzeichnet". Die Betreuung sei dennoch gewährleistet, heißt es.
Besonders brisant: Im vergangenen Jahr haben 300 Elementarpädagoginnen gekündigt bzw. wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Zusätzlich gingen 58 Pädagoginnen in Pension. Auch bei den Assistentinnen ist die Lage nicht besser: Hier gab es 357 Austritte, davon standen 65 im Zusammenhang mit Pensionierungen, wie die MA 10 informiert. Insgesamt also rund 600 Abgänge, die nicht auf Pensionierungen zurückzuführen sind.
Die Abgänge sind mit ein Grund für den derzeitigen Personalmangel. Für die fehlenden Pädagoginnen müssen nun Assistentinnen einspringen – in den städtischen Kindergärten sind davon derzeit 260 Gruppen betroffen.
So schreibt etwa eine Mutter aus Liesing auf Facebook, dass ihre Söhne einen städtischen Kindergarten besuchen: "In beiden Gruppen sind die zuständigen Pädagoginnen schon seit Monaten weg, und die Kinder werden seitdem nur noch von Assistentinnen betreut. Die Assistentinnen geben bestimmt ihr Bestes, aber ich habe das Gefühl, dass die Kinder nicht mehr richtig gefördert werden und diese wichtige Zeit einfach ungenutzt vergeht."
Ob eine ausgebildete Elementarpädagogin oder eine Assistentin die Gruppe leitet, macht einen Unterschied – und dieser liegt in der Ausbildung: Elementarpädagoginnen absolvieren eine fünfjährige Ausbildung an einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP) oder ein Bachelorstudium an einer Pädagogischen Hochschule bzw. Fachhochschule. Assistentinnen besuchen hingegen meist eine dreijährige Fachschule für pädagogische Assistenzberufe oder spezielle (berufsbegleitende) Lehrgänge.
Für Diskussion sorgt auch die Betreuung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Obwohl derzeit 290 inklusive Elementarpädagog*innen fehlen, betont die MA 10, dass die Betreuung (im verpflichtenden Kindergartenjahr 20 Wochenstunden) gewährleistet sei.
Als Gründe für den generellen Personalmangel nennt die MA 10 unter anderem das Bevölkerungswachstum, steigende Bildungsanforderungen, Zuwanderung und den generellen Fachkräftemangel im elementarpädagogischen Bereich. "Dieser Mangel betrifft nicht nur Wien, sondern ganz Österreich bzw. den europäischen Raum. Das Problem ist leider nicht neu", wird erklärt.
Die Stadt verweist auf laufende Personalsuche, Jobmessen sowie Kooperationen mit AMS und waff. Zudem betreibe Wien mit der bafep21 eine eigene Ausbildungsstätte für Elementarpädagogik. Am Gehalt dürfte der Personalmangel eigentlich nicht liegen: Für Elementarpädagoginnen in städtischen Einrichtungen liegt das Einstiegsgehalt bei 3.453 Euro brutto, bei inklusiven Elementarpädagoginnen sogar bei 3.967 Euro brutto. Assistentinnen verdienen hingegen am Anfang nur 2.421 Euro brutto.