Lokalaugenschein in einem Sozialmarkt in Wien. "Heute" trifft Herta B., die sich nur wenige Lebensmittel leisten kann: "Ich schäme mich einfach", gesteht die Frau. Am Monatsende gibt es nur Kartoffeln oder Nudeln. Ergattert sie einmal etwas Süßes oder einen kleinen Kuchen bei der Tafel, hebt sie diese für ihre Kinder auf. "Die sollen nicht merken, dass es mir so schlecht geht", sagt Herta B.
Dieses Schicksal ist kein Einzelfall. Immer mehr Kinder wachsen in Österreich in Armut auf. Eine neue Unicef-Studie schockiert: 344.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung betroffen.
Kaum vorstellbar: fast jedes zehnte Kind in unserem reichen Land bekommt an einem Tag pro Woche gar kein Essen – es ist schlicht kein Geld dafür vorhanden. Davon sind etwa 180.000 Kinder betroffen.
Auch Lisa F. ist betroffen: "Wenn man nicht weiß, wie es weitergeht und ob die Kinder etwas zu essen oder ein Dach über dem Kopf haben, ist das sehr schwer", schilderte sie ihre Lage gegenüber der Caritas.
"Kinderarmut bedeutet gesellschaftlichen Ausschluss, raubt Perspektiven und hindert eine gesunde Entwicklung", sagt Unicef Österreich Geschäftsführer Christoph Jünger.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, so die Studie: "Während die realen Einkommen leicht gestiegen sind, hat sich die relative Armut um mehr als 20 % verschärft."