Die Arbeitsbedingungen für Schulwarte in Wien sorgen derzeit für Aufregung. Oft stehen bis zu 70 Stunden pro Woche am Programm. Die Gewerkschaft Younion sprach sogar von "moderner Sklavenhaltung" – wir berichteten. Einer, der die schwierigen Arbeitsbedingungen aus eigener Erfahrung kennt, ist Schulwart Gerald K. (49, Name geändert) aus Wien.
"Es sind mindestens 70 Stunden pro Woche", erzählt der Wiener im Gespräch mit "Heute". Neun Jahre lang habe er oft von 6.45 Uhr bis 21.30 Uhr gearbeitet. "Die Rahmenbedingungen bei der Arbeit waren ein Wahnsinn", erinnert er sich.
Besonders der Vandalismus in Schule habe ihn geärgert. "Die Schüler haben mit Coladosen Fußball gespielt. Dort war ein alter Terrazzo-Boden. Wenn da Cola einwirkt, ist er hin", schildert der 49-Jährige. "Die Flecken kriegst du nie wieder raus." Auch beschädigte Klotüren und Überschwemmungen auf den WCs durch verstopfte Abflüsse seien auf der Tagesordnung gestanden.
"Ich war von früh bis spät eingespannt", so Gerald K. Die Dienstwohnung direkt in der Schule sei dabei Fluch und Segen zugleich gewesen. Einerseits habe er sich den Arbeitsweg erspart, andererseits sei er praktisch ständig erreichbar gewesen. "Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft gegen die Türe getreten oder angeläutet wurde – und dann niemand draußen stand."
Die ständigen Probleme hätten schließlich auch zu Spannungen mit der Direktion geführt. "Immer wieder habe ich zu ihnen gesagt: Die Schüler zerlegen die Schule und ihr tut nichts", erzählt der Schulwart.
„Immer wieder habe ich zu ihnen gesagt: Die Schüler zerlegen die Schule und ihr tut nichts!“Schulwart Gerald K. (49) Name geändert
Schließlich beantragte Gerald K. eine Versetzung. Doch statt einer Verbesserung habe ihn an seiner neuen Dienststelle die nächste Belastung erwartet. Die Situation an der neuen Schule, in einem berüchtigten Grätzl, sei schwierig gewesen. "Ich bin vom Regen in die Traufe gekommen", fasst er seine Erfahrungen zusammen.
Der 49-Jährige kam mit den Zuständen immer schlechter zurecht, schlitterte aus Erschöpfung in den Krankenstand. "Ich bin jetzt seit März krankgeschrieben", berichtet der Wiener – ein Ende ist derzeit nicht in Sicht.
Heute lebt Gerald K. in einer kleinen Wohnung vom Krankengeld, eine neue berufliche Perspektive hat er derzeit noch nicht. Nach neun Jahren im Dauereinsatz steht für den 49-Jährigen nun die eigene Gesundheit an erster Stelle. Erst danach will er beruflich wieder durchstarten. Hilfe kommt zum Glück von der Gewerkschaft Younion.