Es klang fast zu schön, um wahr zu sein: Frau R. stöberte auf Facebook in der Gruppe "Immobilien Privat für Privat", als ihr ein verlockendes Wohnungsinserat ins Auge sprang. Eine teilmöblierte Wohnung, zwei Schlafzimmer, Balkon, Parkplatz, Klimaanlage und Abstellraum – und das alles in einem Gebiet mit hoher Nachfrage. Dazu noch ansprechende Fotos von Küche, Wohnzimmer und Essecke.
Frau R. zögerte nicht lange und schrieb den Anbieter direkt über Facebook an. Kurz darauf meldete sich ein gewisser Andreas Neumeister. Der Kontakt wechselte rasch von Facebook zu E-Mail. "Herr Neumeister" gab sich als Eigentümer der Wohnung aus, erklärte jedoch, er halte sich derzeit in Innsbruck auf.
In seinen E-Mails schwärmte er von der Wohnung: top Zustand, beste Lage nahe sämtlicher Geschäfte. Die Miete würde nur 730 Euro pro Monat ausmachen – inklusive aller Nebenkosten, von Strom über Internet bis Waschmaschine und Trockner. Der Vormieter sei gerade ausgezogen, die Wohnung sofort verfügbar. Eine Besichtigung sei am 13. Dezember möglich.
Alles klang perfekt, doch es gab einen Haken: Schon vor der Besichtigung sollte die Wohnungssuchende 1.460 Euro überweisen – also Kaution und erste Monatsmiete im Voraus. Den Mietvertrag, versprach Neumeister, würde er später als PDF schicken. Die Wohnung könne unbefristet gemietet werden. Alles klang zu gut, um war zu sein. Frau R. wurde misstrauisch. Geld zahlen, bevor man die Wohnung gesehen hat? Das kam ihr nicht seriös vor. Die Wienerin wandte sich an die AK Wohnrechtsberatung.
Dort bestätigte sich das ungutes Gefühl der Frau. "Nach unserer Recherche stellte sich heraus, dass ein Andreas Neumeister keinen Eigentumsanteil an der Liegenschaft in der Floridsdorfer Hauptstraße hält. Unser klarer Rat: Nie Vorauszahlungen in solchen Fällen leisten!", so AK-Wohnrechtsberater Erwin Bruckner. "Heute" berichtete erst vor kurzem über einen ähnlichen Fall in Wien-Ottakring. Eine Familie verlor bei der Wohnungssuche 2.100 Euro an gefinkelte Betrüger.
"Für Frau R. ging die Geschichte glimpflich aus – sie verlor kein Geld. Doch der Fall zeigt einmal mehr, wie raffiniert Wohnungsbetrüger vorgehen und wie wichtig es ist, bei zu guten Angeboten genau hinzuschauen und kein Geld vorab zu überweisen."