Kerzen, Blumen und Fotos erinnern an zwei junge Menschen, die viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden. Nach dem tödlichen Verkehrsunfall in Nußdorf am Haunsberg (Salzburg) ist die Trauer groß. Zahlreiche Freunde und Angehörige versammelten sich am Sonntag an jener Stelle im Ortsteil Pabing, an der eine 16-Jährige und ein 17-Jähriger in der Nacht zuvor ums Leben gekommen waren.
Der Andrang war schließlich so groß, dass die Polizei die Straße vorübergehend für den Verkehr sperren musste. Während die Angehörigen um die Jugendlichen trauern, versucht ein Sachverständiger zu klären, wie es zu dem verheerenden Unfall kommen konnte.
Das Unglück ereignete sich am Samstag kurz vor Mitternacht auf der alten Bundesstraße in Pabing. Ein 17-Jähriger war mit einem 3er-BMW unterwegs, als das Fahrzeug in einer lang gezogenen Linkskurve außer Kontrolle geriet.
Der Wagen kam ins Schleudern, streifte mehrere Steinblöcke am rechten Fahrbahnrand und überschlug sich mehrfach. Die Wucht des Aufpralls war so groß, dass einige der Steinblöcke aus ihren Verankerungen gerissen wurden.
Auf der Rückbank saßen drei junge Menschen, die laut Polizei nicht angeschnallt waren. Alle drei wurden bei dem Unfall aus dem Fahrzeug geschleudert. Für eine 16-Jährige aus Lamprechtshausen und einen 17-Jährigen aus Elixhausen kam jede Hilfe zu spät. Beide starben noch an der Unfallstelle.
Eine 18-jährige Rumänin aus Oberndorf erlitt schwere Verletzungen und wurde ins Unfallkrankenhaus gebracht. Der 17-jährige Lenker und sein gleichaltriger Beifahrer waren angegurtet. Sie kamen mit leichten Verletzungen davon.
Der Sachverständige Gerhard Kronreif nahm noch in der Unglücksnacht erste Spuren auf. Am Sonntagnachmittag kehrte er nach Pabing zurück, um die Unfallstelle bei Tageslicht genauer zu dokumentieren. Dabei fertigte er laut "Salzburger Nachrichten" weitere Fotos und Luftaufnahmen an.
Auf der Fahrbahn waren orange Markierungen zu sehen, am Straßenrand zeichneten sich Reifenspuren ab. Auch ein benachbartes Firmengebäude wurde bei dem Unfall beschädigt. Dellen und Kerben zeugten von der Wucht, mit der Fahrzeugteile dagegen geschleudert worden waren.
Noch ist nicht geklärt, weshalb der BMW ins Schleudern geriet. Die Straße dürfte zum Unfallzeitpunkt nass oder zumindest leicht feucht gewesen sein. An der Unfallstelle gilt Tempo 50, da sie sich im Ortsgebiet befindet.
Die Ermittler prüfen nun, ob überhöhte Geschwindigkeit bei dem Unfall eine Rolle gespielt haben könnte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung nach Paragraf 81 des Strafgesetzbuchs. Außerdem wurde eine Obduktion der beiden Todesopfer angeordnet.
Ein Alkotest beim 17-jährigen Fahrer verlief negativ und ergab 0,0 Promille. Der Jugendliche besitzt seinen L17-Führerschein erst seit rund einem Monat, berichten die "Salzburger Nachrichten". Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Besonders tragisch ist das Schicksal der getöteten 16-Jährigen aus Lamprechtshausen. Ihr Großvater kam am Sonntag mit dem Fahrrad zur Unfallstelle. Dort erzählte er, dass die Mutter des Mädchens erst fünf Monate zuvor bei einem Unfall ums Leben gekommen war.
Noch am Abend vor der Tragödie hatte er Zeit mit seiner Enkelin verbracht. Nun musste die Familie innerhalb weniger Monate einen weiteren schweren Verlust verkraften. Auch der 17-Jährige aus Elixhausen wurde mitten aus dem Leben gerissen. Er hätte in Kürze seinen 18. Geburtstag gefeiert.
Im Laufe des Sonntagnachmittags kamen immer mehr Menschen nach Pabing. Junge Männer in schwarzen Kapuzenpullovern stellten weiße Grabkerzen auf. Andere brachten Blumen und Erinnerungsfotos mit. Freunde der Opfer umarmten einander und weinten, berichten die "Salzbuger Nachrichten".
Die Trauer war auch für Außenstehende deutlich spürbar. Als sich Journalisten mit dem Unfallsachverständigen unterhielten, wandte sich laut der Tageszeitung eine ältere Frau an die Gruppe: "Lassen Sie die Jugendlichen in Ruhe, sie sind in tiefer Trauer", sagte sie.
Angesichts der vielen Betroffenen verständigte eine Polizeistreife schließlich das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes. Die Helfer sollten die Trauernden vor Ort unterstützen.
Später wurde die Straße wegen des großen Andrangs gesperrt.
Für Sachverständigen Gerhard Kronreif steht neben der Aufklärung des Unfallhergangs auch die Verkehrssicherheit im Mittelpunkt. Er kann nachvollziehen, dass Angehörige und Freunde in ihrer Trauer nicht über die technischen Hintergründe eines solchen Unglücks sprechen möchten.
"Die Leute können das in diesem Moment nicht so sehen. Aber jeder Bericht über so ein Ereignis ist ein Dienst an der Verkehrssicherheit und ein Wachrütteln", heißt es gegenüber den "Salzburger Nachrichten".
Besonders eindringlich warnt er vor Fahrten ohne Sicherheitsgurt. Wer nicht angeschnallt sei, habe ein zehnfach höheres Risiko, bei einem Unfall tödlich verletzt zu werden. Im Fall von Pabing waren die drei Jugendlichen auf der Rückbank nicht angegurtet. Die beiden angeschnallten Insassen auf den Vordersitzen überlebten mit leichten Verletzungen.
Während die Ermittlungen weiterlaufen, wächst an der Unfallstelle das Meer aus Kerzen und Blumen. Für die Familien und Freunde der beiden Jugendlichen bleibt die Erinnerung an eine Nacht, die ihr Leben für immer verändert hat.