Russland hat in der Nacht auf Dienstag einen der schwersten Angriffe der vergangenen Monate auf die Ukraine gestartet. Dabei wurden mindestens 18 Menschen getötet, darunter zwei Kinder. Besonders betroffen waren die Städte Dnipro und Kiew.
In Dnipro kamen nach Angaben der örtlichen Behörden zwölf Menschen ums Leben. Unter den Opfern befanden sich eine Frau und ein achtjähriger Bub, die aus den Trümmern eines Wohnhauses geborgen wurden. In Kiew wurden sechs Todesopfer gemeldet.
Bei den Angriffen wurden zudem über 100 Menschen verletzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass gezielt zivile Infrastruktur und Energieanlagen im ganzen Land getroffen worden seien.
Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete die Attacken als Vergeltung auf frühere ukrainische Angriffe. Die Kremlführung hatte nach einem Angriff auf ein Studentenwohnheim im besetzten Osten der Ukraine Ende Mai systematische Schläge gegen Kiew angekündigt.
Selenskyj warnte bereits in einer Videoansprache vor einem möglichen Großangriff und forderte die Bevölkerung auf, Luftalarm ernst zu nehmen. Nach offiziellen Angaben setzte Russland in der Nacht 656 Drohnen und 73 Raketen verschiedener Typen ein.
In Kiew wurden zahlreiche Wohnhäuser und andere zivile Gebäude beschädigt. Bürgermeister Vitali Klitschko rief die Bewohner dazu auf, Schutzräume aufzusuchen. Auch in der Stadt Dnipro wurde ein ganzer Gebäudeteil zerstört. In beiden Städten kam es zu Stromausfällen.
Selenskyj erneuerte seinen Appell an den Westen, dringend weitere Patriot-Raketen zur Luftabwehr zu liefern. Die Bestände seien durch den Krieg in Israel und die US-Politik stark eingeschränkt.
Unterdessen wurden auch aus anderen Teilen der Ukraine Angriffe gemeldet. In Charkiw wurden Energieeinrichtungen getroffen, in Saporischschja ein Industriebetrieb. Laut russischen Behörden gab es zudem einen ukrainischen Drohnenangriff mit einem Todesopfer in der russischen Grenzregion Kursk.