Polen über Dekret schockiert

Selenskyj sorgt für Eklat – größter Freund ist wütend

Polen stand der Ukraine seit Kriegsbeginn wie kaum ein anderer zur Seite. Jetzt sorgt Selenskyj mit einer Entscheidung für heftigen Ärger in Warschau.
Nicolas Kubrak
31.05.2026, 18:15
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Die russische Invasion in der Ukraine hat Kiew und Warschau so eng zusammengeschweißt wie noch nie. Millionen ukrainische Flüchtlinge fanden in Polen Zuflucht, Freiwillige organisierten Hilfskonvois, die Regierungen arbeiteten eng zusammen. Staats- und Regierungschefs bezeichneten einander wiederholt als "Freunde" und "verlässliche Partner".

Heikles Selenskyj-Dekret

Doch von der diplomatischen Wärme ist derzeit wenig zu spüren. Grund dafür ist ein Dekret des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor wenigen Tagen. Am Mittwoch verlieh er dem Zentrum für Spezialoperationen "Nord" der Spezialkräfte der Ukraine den Ehrennamen "Helden der UPA". Das Staatsoberhaupt wollte "die historischen Traditionen der nationalen Armee wiederbeleben und die vorbildliche Erfüllung der Aufgaben bei der Verteidigung der territorialen Integrität und Unabhängigkeit der Ukraine würdigen", erklärte er.

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Was war die UPA?

Die Ukranische Aufstandsarmee (UPA) war eine von 1942 bis 1949 aktive bewaffnete Formation. Ziel der UPA war es, einen unabhängigen ukrainischen Staat zu gründen.

Aus polnischer Sicht habe die UPA zwischen 1943 und 1945 Völkermord an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien verübt. Nach Schätzungen von polnischen Historikern kamen zwischen 100.000 und 120.000 Polen ums Leben.

Für die Ukraine gilt die UPA als historische Freiheitsgruppierung im Kampf gegen Deutschland und die Sowjetunion. Die Verbrechen an Polen werden oft als "Bürgerkrieg" oder "Vergeltung" abgetan.

Polen will Selenskyj Orden entziehen

Diese Entscheidung sorgte in Polen für helle Aufregung: Polens Präsident Karol Nawrocki habe die Entscheidung Selenskyjs mit "großem Bedauern" aufgenommen. "So baut man keine Beziehungen zwischen Nationen auf", sagte Nawrocki vor Journalisten. Als Reaktion schlug der Präsident vor, Selenskyj den höchsten politischen Orden abzuerkennen.

2023 erhielt Selenskyj diese Auszeichnung für seine "Verdienste um die Vertiefung der Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine". Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda sagte damals in Richtung seines Amtskollegen: "Dein Handeln bewahrt Europa heute vor einer Flut des russischen Imperialismus."

Tusk: "Selenskyj sollte das endlich verstehen"

Polens Regierungschef Donald Tusk reagierte ebenfalls auf den diplomatischen Eklat: "Wenn wir uns über die Vergangenheit streiten, gewinnt wer anderer die Zukunft. Der Präsident der Ukraine sollte das verstehen, Polens ebenso. Bevor es zu spät ist", schrieb der Premierminister auf X.

Selenskyjs Entscheidung verletze die historische Sensibilität, so Tusk. Die Aufgabe der polnischen und ukrainischen Bevölkerung müsse sein, die Stimmung zu beruhigen. "Zwischen uns gibt es Probleme, aber es darf keine Feindseligkeit und keine negativen Emotionen geben. Wir haben einen gemeinsamen Feind", betonte der Regierungschef.

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