Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt davor, dass die russische Armee "einen neuen massiven Angriff" auf die Ukraine plant. "Wir haben Geheimdienstinformationen darüber, dass Russland einen weiteren Großangriff vorbereitet", erklärte Selenskyj am Freitag in Onlinediensten. Er bittet die Bevölkerung, besonders auf Luftalarm zu achten und alles zu tun, "um Ihr Leben zu schützen".
Schon am Montag hatte das russische Außenministerium "systematische Angriffe" auf Kiew angekündigt. Ausländer und Diplomaten wurden aufgefordert, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen. Diese Drohungen wurden international scharf verurteilt.
Bereits über das Pfingstwochenende hat die russische Armee die Ukraine und vor allem Kiew massiv mit Drohnen und Raketen angegriffen. Dabei wurde auch die atomwaffenfähige Hyperschallrakete Oreschnik eingesetzt.
Das ukrainische Militär hat in den letzten Wochen laut Forschern und Militärbloggern verstärkt russische Versorgungswege mit Drohnen angegriffen. Die "erfolgreichen Angriffe" würden Russlands Möglichkeiten einschränken, "Personal an die Front zu bringen und die Stellungen zu versorgen und zu halten", heißt es in einer Analyse des US-Instituts Institute for the Study of War (ISW).
Zu den betroffenen Routen im Hinterland der Front zählt unter anderem die Autobahn M-14. Diese verbindet den Süden Russlands mit den besetzten Städten Melitopol und Mariupol. Laut dem ISW-Bericht vom Mittwoch wurden auch Straßenverbindungen zur Stadt Donezk angegriffen. Bewohner aus den von Russland besetzten Gebieten bestätigen den zunehmenden Drohnenbeschuss auf Straßen.
Ein Paar aus der Stadt Debaltseve in der besetzten Region Donezk sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass es das Auto aus Angst vor Luftangriffen nur noch selten nutzt. Auch der prorussische Militärblogger "1.infantry" berichtet von "täglichen, massenhaften Angriffen" auf Straßen. Diese "eskalieren immer mehr".
Der proukrainische Militärsender "Shrike News" meldete vergangene Woche 30 zerstörte Militärfahrzeuge auf einer Autobahn von Donezk nach Mariupol sowie 15 auf einer Straße zwischen der besetzten Halbinsel Krim und der russischen Stadt Rostow.
Anfang des Monats hat das ISW erklärt, die ukrainische Armee habe im April erstmals seit drei Jahren wieder Netto-Gebietsgewinne erzielt. Demnach konnte Kiew 120 Quadratkilometer eigenes Gebiet zurückholen.