Nach den schweren russischen Angriffen auf Kiew mit zahlreichen Toten fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schärfere Sanktionen gegen Moskau. Gleichzeitig warnt die Internationale Atomenergiebehörde vor zunehmenden Gefahren rund um ukrainische Atomanlagen.
Bei den jüngsten Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt kamen laut Behörden mindestens 21 Menschen ums Leben, darunter auch drei Minderjährige. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach zudem von mehr als 50 Verletzten und erklärte den Freitag zum offiziellen Trauertag in Kiew. Rettungskräfte suchten weiterhin in den Trümmern eines Wohnhauses im Stadtteil Darnytskyji nach weiteren Opfern.
Selenskyj sprach von einem "massiven russischen Angriff". Russland habe mehr als 675 Drohnen und zusätzlich 56 Raketen abgefeuert. Ein mehrstöckiges Wohngebäude sei dabei praktisch "dem Erdboden gleichgemacht worden".
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten beschränkten sich die Angriffe nicht nur auf Kiew. Auch die Städte Cherson und Saporischschja im Süden sowie Charkiw im Osten des Landes seien attackiert worden.
Selenskyj warf Russland erneut vor, internationale Sanktionen zu umgehen. In seiner Videobotschaft erklärte er, ein Marschflugkörper, der in ein Gebäude in Kiew eingeschlagen sei, sei erst im zweiten Quartal dieses Jahres produziert worden. Das zeige, dass Russland weiterhin an notwendige Komponenten gelange.
"Es ist sicherlich kein Zufall, dass einer der längsten massiven russischen Angriffe gegen die Ukraine gerade zu dem Zeitpunkt stattfand, als der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Besuch in China eintraf", sagte Selenskyj. Von der Reise Donald Trumps nach China hätten sich viele Hoffnungen gemacht.
Der ukrainische Präsident hatte zuvor erklärt, er hoffe darauf, dass Trump Druck auf China ausüben könne, damit Peking seine Unterstützung für Russlands Krieg beendet.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zeigte sich unterdessen alarmiert über "intensivierte" militärische Aktivitäten in der Nähe ukrainischer Atomanlagen. Laut IAEA wurden mehr als 160 Drohnen in der Umgebung verschiedener Anlagen registriert.
Genannt wurde unter anderem das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl. Dessen Schutzhülle war bereits im Vorjahr durch eine russische Drohne beschädigt worden. IAEA-Chef Rafael Grossi äußerte laut Mitteilung "große Besorgnis" über die Entwicklungen.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt zudem öffentlich über einen erfolgreichen Test der neuen Atomrakete RS-28 "Sarmat" berichten lassen. Die Rakete solle noch heuer dauerhaft einsatzbereit sein.
Der Kreml erhöht unterdessen weiter den Druck auf die Ukraine. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte erneut, Präsident Selenskyj müsse seine Truppen aus dem Gebiet Donezk abziehen. Erst dann könne über eine Waffenruhe gesprochen werden. Die Ukraine lehnt einen Verzicht auf die von ihr kontrollierten Gebiete weiterhin strikt ab.