Während der Krieg gegen die Ukraine weiter andauert, wächst laut einem Bericht die Unzufriedenheit im Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin. Gleichzeitig soll der russische Präsident weiter unbeirrt an seinem Ziel festhalten, den gesamten Donbass einzunehmen.
Wie der britische "Guardian" berichtet, nehmen Frust und Sorgen innerhalb der russischen Elite zu. Der Krieg komme nur schleppend voran, gleichzeitig stehe die russische Wirtschaft zunehmend unter Druck.
"Die Stimmung unter den Eliten hat sich in diesem Jahr definitiv gewandelt (…) es herrscht tiefe Enttäuschung über Putin", sagte ein laut Zeitung gut vernetzter Wirtschaftsführer. Das Gefühl wachse, "dass eine Art Katastrophe bevorsteht".
Zwar rechne niemand mit einem plötzlichen Zusammenbruch des Systems, dennoch nehme die Kritik zu. "Aber es wächst die Erkenntnis, dass immer wieder völlig sinnlose, selbstzerstörerische Entscheidungen getroffen werden. Menschen, die Putin einst verteidigten, tun dies nicht mehr. Jegliches Gefühl für eine Zukunft ist verschwunden", wird die Quelle zitiert.
Auch kremlnahe Militärblogger hätten zuletzt verstärkt Kritik geäußert. Gleichzeitig seien laut russischen Erhebungen Putins Zustimmungswerte in der Bevölkerung gesunken.
Trotzdem soll Putin laut dem Bericht weiter entschlossen sein, den gesamten Donbass unter russische Kontrolle zu bringen. Zwei Quellen mit Zugang zum Kreml erklärten dem "Guardian", der Präsident gehe davon aus, dass Russland die Region bis Ende des Jahres vollständig einnehmen könne. "Putin ist auf den Donbass fixiert und wird nicht vorher aufhören", sagte eine der Quellen.
Experten bezweifeln allerdings, dass Russland dieses Ziel so schnell erreichen kann. Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) hatte bereits Ende November 2025 erklärt, die vollständige Einnahme der Region Donezk könne Jahre dauern und Russland enorme Verluste an Soldaten und Material kosten.
Hinzu kommen Zweifel daran, wie realistisch die Berichte aus dem russischen Militär tatsächlich sind. Ein Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes erklärte laut Bericht: "Erfundene Berichte werden die Befehlskette hinaufgeschleust, in denen behauptet wird, der Sieg stehe unmittelbar bevor."
Auch eine weitere Quelle aus dem Umfeld des Kremls äußerte sich ähnlich. "Natürlich zeichnen Beamte und das Militär dem Präsidenten ein rosiges Bild", hieß es. "Sie belügen ihn. So funktioniert das System, das Putin aufgebaut hat."
Wie stark Putin selbst von geschönten Lageeinschätzungen beeinflusst wird, bleibt laut dem Bericht allerdings unklar. Ein hochrangiger europäischer Geheimdienstmitarbeiter sagte dem "Guardian" dazu: "Auch falls viele in seinem Umfeld die Realität der Lage verstehen, wissen wir immer noch nicht, was Putin selbst davon versteht. Das ist das Schwierigste daran."