In der Ukraine wächst die Sorge vor einem neuen massiven russischen Luftangriff. Sowohl die US-Botschaft in Kiew als auch Präsident Wolodymyr Selenskyj warnten am Samstagabend vor einer möglichen Eskalation innerhalb der nächsten Stunden.
Die US-Botschaft erklärte, nach aktuellen Informationen könne "jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden" ein "möglicherweise bedeutsamer Luftangriff erfolgen". Die Warnung gelte für das gesamte Staatsgebiet der Ukraine.
Auch Präsident Selenskyj schlug Alarm. Laut ukrainischen Geheimdiensten gebe es Hinweise darauf, dass Russland einen Angriff mit der atomwaffenfähigen Mittelstreckenrakete Oreschnik vorbereite. Die Informationen stammten demnach auch von Partnerdiensten aus Europa und den USA.
Selenskyj sprach von "Anzeichen für die Vorbereitung eines kombinierten Angriffs auf ukrainisches Gebiet, einschließlich Kiews, mit verschiedenen Waffentypen".
Die Bevölkerung wurde aufgerufen, bei Luftalarm sofort Schutzräume aufzusuchen. Gleichzeitig appellierte der ukrainische Präsident an die internationale Gemeinschaft, den Druck auf Moskau zu erhöhen, "damit es den Krieg nicht weiter ausweitet".
Die Warnungen kommen nur eine Woche nach groß angelegten russischen Militärübungen zum Einsatz von Atomwaffen. Nach russischen Angaben nahmen daran tausende Soldaten im ganzen Land teil.
Bei der Oreschnik handelt es sich um eine atomwaffenfähige russische Mittelstreckenrakete. Laut Kreml erreicht sie Geschwindigkeiten von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und kann Ziele in einer Entfernung von bis zu 5.500 Kilometern treffen.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte erklärt, moderne Luftabwehrsysteme könnten die Rakete nicht abfangen.
Die Oreschnik wurde bisher zweimal mit konventionellen Sprengköpfen gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt. Im August hatte Putin die Serienproduktion der Rakete angekündigt, seit Dezember ist sie auch im verbündeten Belarus stationiert.