Hacker-Angst

Geheimdienst-Alarm! EU dreht China-Geräten Geldhahn zu

Brüssel zahlt keine Solarförderung mehr aus, wenn die verbauten Wechselrichter unter anderem aus China stammen. Grund: Angst vor staatlichen Hacks.
Team Wirtschaft
04.05.2026, 15:41
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Die EU-Kommission greift bei der Förderung von Solar- und Batterieprojekten offenbar hart durch. Wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet, sollen ab sofort keine EU-Gelder mehr in Energieprojekte fließen, wenn dort Wechselrichter aus China, Russland, dem Iran oder Nordkorea verbaut sind.

Der Beschluss soll laut "Spiegel" jüngst in einer Videokonferenz mit mehreren EU-Generaldirektionen und Branchenverbänden bekannt gegeben worden sein. Öffentlich verkünden will Brüssel die Entscheidung demnach aber offenbar nicht groß. Der Grund: Das Thema gilt als extrem heikel.

Herzstück von Solaranlagen als Gefahr

Im Zentrum stehen Wechselrichter. Das sind jene Geräte, die bei Solaranlagen und Batteriespeichern unter anderem steuern, wann und wie viel Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird. Für viele Betreiber sind die kleinen Kästen unscheinbare Technik. Für die EU-Kommission sind sie aber ein mögliches Einfallstor für Hacker.

Fast alle modernen Wechselrichter sind nämlich, und das ist die große Gefahr, mit dem Internet verbunden. Darüber laufen Softwareupdates, Wartung und Fernsteuerung. Eben das sorgt in Brüssel für Sorgen: Werden solche Geräte manipuliert, könnten Angreifer theoretisch Einfluss auf Teile des Stromnetzes nehmen.

Fast alle Wechselrichter stammen aus China

Als besonders brisant gilt die China-Frage. Offiziell betrifft das Verbot vier Hochrisikoländer: China, Russland, Iran und Nordkorea. Laut dem "Spiegel" werden in Europa praktisch aber vor allem chinesische Wechselrichter eingesetzt, vor allem solche von Huawei und Sungrow.

Die Entscheidung hat erhebliche Folgen. Nach Angaben aus der Videokonferenz, auf die sich der "Spiegel" beruft, förderte die Europäische Investitionsbank im Jahr 2025 rund ein Fünftel aller Solarprojekte in der EU. In vielen dieser Projekte sollen chinesische Wechselrichter verbaut worden sein.

Betroffen sind laut Bericht nicht nur Förderungen über die Europäische Investitionsbank. Auch andere wichtige EU-Finanzierungsinstrumente wie der Europäische Investitionsfonds fallen unter die neue Regelung. Damit könnte das Verbot zahlreiche geplante Solar- und Speicherprojekte treffen.

Maßnahme gilt auch für Nicht-EU-Länder

Die Regeln gelten übrigens nicht nur innerhalb der EU. Auch Projekte in EU-Nachbarregionen wie Nordafrika oder am Balkan können betroffen sein – zumindest dann, wenn sie an das europäische Stromnetz angeschlossen sind.

Noch strenger: Nicht nur Geräte, die direkt aus China, Russland, Iran oder Nordkorea stammen, sind ausgeschlossen. Auch Wechselrichter von Firmen aus anderen Ländern können betroffen sein, wenn diese Unternehmen im Eigentum oder unter der Kontrolle von Akteuren aus einem der vier Hochrisikoländer stehen.

Übergangsregelung für laufende Projekte

Für neue Projekte gilt das Förderverbot laut "Spiegel" ab sofort. Finanzinstitute müssen zudem noch bis Anfang Mai ihre laufenden Projektlisten melden. Sie sollen prüfen, ob bei möglichst vielen Vorhaben die betroffenen Wechselrichter noch ausgetauscht werden können.

Nur Projekte, die bereits sehr weit fortgeschritten sind, könnten noch unter Übergangsregeln fallen. In diesen Fällen wäre es möglich, dass chinesische Wechselrichter vorerst weiter eingesetzt werden dürfen.

Geheimdienste warnen vor möglichen Attacken

Am Montag bestätigte ein EU-Beamter die Maßnahmen. Die Kommission habe "ausreichende Beweise" von den Geheimdiensten der EU-Staaten und aus eigenen Erkenntnissen, "dass bestimmte Drittstaaten in der Lage sind, unsere kritische Infrastruktur mithilfe der Wechselrichter zu untergraben, insbesondere durch mögliche Blackouts", so die Begründung.

{title && {title} } tmw, {title && {title} } Akt. 05.05.2026, 09:26, 04.05.2026, 15:41
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