Es droht ein "heißer Herbst"

1.800 Pädagogen fehlen – Gewerkschaft schlägt Alarm

In Wiens Kindergärten fehlen derzeit rund 1.800 Pädagoginnen und Pädagogen. Allein bei der Stadt sind etwa 840 Stellen offen.
Wien Heute
27.08.2026, 11:11
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In Wiens Kindergärten wird der Personalmangel immer größer. Laut Gewerkschaft Younion fehlen derzeit rund 1.800 Pädagoginnen und Pädagogen. Allein bei der Stadt Wien sind etwa 840 Stellen unbesetzt – deutlich mehr als noch vor wenigen Monaten.

Younion sieht unter anderem die Bezahlung als Grund für die angespannte Lage und fordert von Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) ein neues Besoldungspaket. Gewerkschafter Manfred Obermüller findet im ORF-Interview klare Worte: "Die Frau Stadträtin ist uns ein Besoldungspaket schuldig, wo wir sehr, sehr viel auch machen könnten. Da ist Stillstand. Und da kündige ich jetzt einen heißen Herbst an. Weil wir werden hier Maßnahmen ergreifen müssen".

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Droht ein Streik?

Ob damit auch ein Streik gemeint ist? Obermüller lässt das offen: "Streik ist ein sehr weit gefächert der Begriff". Zunächst sollen Dienststellenversammlungen stattfinden. Außerdem will die Gewerkschaft darauf hinweisen, dass Mitarbeiter ohne entsprechende pädagogische Ausbildung beziehungsweise ohne entsprechende Bezahlung diese Aufgaben nicht übernehmen müssen.

Assistenten übernehmen pädagogische Aufgaben

Dass in städtischen Kindergärten teilweise Assistenzkräfte eingesetzt werden, obwohl sie nicht entsprechend qualifiziert sind, bestätigt auch die zuständige MA 10 gegenüber den ORF Wien. Gleichzeitig verweist die Stadt auf Maßnahmen gegen den Personalmangel.

MA-10-Leiterin Karin Broukal nennt unter anderem Jobmessen und weitere Recruiting-Maßnahmen. Auch bei den bereits beschäftigten Mitarbeitern setzt die Stadt an: "Das heißt, wir setzen auf jene Mitarbeiterinnen, die wir schon im Betrieb haben, die Assistenzkräfte und die Assistenzpädagoginnen, und bieten hier eine Ausbildungshöherqualifizierung an."

Trotz dieser Bemühungen steigt die Zahl der offenen Stellen. Im Juni waren bei der Stadt rund 840 Dienstposten für Elementarpädagoginnen und -pädagogen unbesetzt. Im Mai waren es noch 645. Damit kamen innerhalb eines Monats rund 200 offene Stellen hinzu. "Wir sehen, dass die Maßnahmen greifen", sagt Broukal. Gleichzeitig stellt sie die Frage: "Die Frage ist, wo können wir noch besser werden, damit die Maßnahmen schneller greifen."

Auch private Kindergärten betroffen

In den städtischen Kindergärten arbeiten derzeit rund 3.360 Elementarpädagoginnen und -pädagogen sowie etwa 4.180 Personen im Assistenzbereich. Insgesamt gibt es in Wien rund 88.000 Betreuungsplätze für Kinder bis sechs Jahre. Etwa 33.000 davon befinden sich in städtischen Einrichtungen.

Auch bei den privaten Trägern ist die Personalsituation angespannt. Bei den Wiener Kinderfreunden, dem größten privaten Kindergartenbetreiber der Stadt, sind rund 200 pädagogische Stellen mit Personen besetzt, die noch keinen entsprechenden Ausbildungsabschluss haben. Laut Betreiber handelt es sich dabei vor allem um erfahrene Assistenzkräfte oder Personen, die sich noch in Ausbildung befinden.

Gewerkschaft fordert bessere Bezahlung

Die Gewerkschaft verlangt als kurzfristige Schritte unter anderem bessere Bezahlung, zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten und einheitliche Rahmenbedingungen – etwa bei den Gruppengrößen.

Obermüller kritisiert auch die vom Bund bereitgestellten Mittel für die Ausbildung: "Ich sehe das auch als eine Art Minderwertschätzung". Drei Millionen Euro für die kommenden Jahre seien vorgesehen. Seine Einschätzung dazu: "Das halte ich schlicht für einen Scherz. Eigentlich ist es eine Frechheit."

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