Wenige Wochen vor dem Schulstart sorgt die Situation an Wiens Schulen für einen heftigen politischen Schlagabtausch. Im Zentrum steht Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos). Sie hatte sich mit Blick auf die noch offenen Lehrerstellen zuversichtlich gezeigt: "Wir waren noch nie so entspannt wie heuer", meinte die Vizebürgermeisterin im "Heute"-Interview.
Rund 35.000 Stunden seien für Wien ausgeschrieben worden, 22.000 davon bereits zugewiesen. Emmerling versichert, dass bis zum Schulbeginn alle Stellen besetzt werden. Sie sieht sogar eine "Trendumkehr": Der Lehrerberuf werde wieder attraktiver, auch über den Quereinstieg gebe es zusätzliche Bewerber.
Bei der Wiener ÖVP stößt das auf Kritik. Klubobmann und Bildungssprecher Harald Zierfuß wirft Emmerling vor, die Probleme an den Schulen zu verkennen. Wenige Wochen vor Schulbeginn seien noch zahlreiche Lehrerstellen unbesetzt. Zierfuß verweist zudem auf Deutsch-Defizite bei Schulanfängern, belastete Schulstandorte und steigende Suspendierungszahlen. "Die Probleme liegen auf dem Tisch. Die Neos-Stadträtin versucht trotzdem, die Lage schönzureden",so Zierfuß. Die Stadt brauche konkrete Lösungen statt Beschwichtigungen.
Kritik kommt auch von ÖVP-Familiensprecherin Sabine Keri. Sie nimmt die Kinder- und Jugendhilfe ins Visier. Laut Emmerling seien die Kosten für Unterbringungen seit 2002 von 22 auf 210 Millionen Euro gestiegen. Emmerling kündigte zudem an, das Konzept der umstrittenen Auszeit-WG zu veröffentlichen. Für Keri kommt die Transparenz zu spät. Bei einem derart sensiblen Thema brauche es ein fachlich solides Konzept, klare Ziele und eine nachvollziehbare Evaluierung, so die VP-Familiensprecherin.
Auch die Wiener FPÖ attackiert die Wiener Vizebürgermeisterin. Klubobmann und Bildungssprecher Maximilian Krauss (FP) wirft Emmerling vor, Probleme aufzuzählen, aber keine konkreten Lösungen dafür zu haben. Krauss kritisiert Deutsch-Defizite, Integrationsprobleme und Suspendierungen an Wiener Schulen. Er fordert Sprachstandsfeststellungen ab dem dritten Lebensjahr. Programme wie Chancenbonus, Integrationsrat und Integrationskodex würden aus seiner Sicht keine funktionierende Bildungspolitik ersetzen.
Besonders scharf fällt seine Kritik an der Auszeit-WG aus. Dass dort laut Krauss maximal zwei Kinder gleichzeitig betreut werden können, sei angesichts der Jugendkriminalität keine ausreichende Antwort. Die FPÖ erneuert in diesem Zusammenhang auch ihre Forderung nach einer Senkung der Strafmündigkeit.
Beim Lehrermangel prallen die Einschätzungen damit frontal aufeinander. Während ÖVP und FPÖ die Bildungsstadträtin kritisieren, zeigt sich Emmerling überzeugt, dass die offenen Stellen in den verbleibenden Ferienwochen besetzt werden.