Der Bezirksvorsteher der Wiener Donaustadt Ernst Nevrivy (SPÖ) hat schon einige Skandale auf dem Kerbholz. Demonstranten gegen den Lobautunnel bezeichnete er einst als "Heisln", im Prozess um die insolvente Immobiliengruppe Wienwert wurde er "im Zweifel" freigesprochen und auch in der dubiosen Kleingartenaffäre wurden Ermittlungen gegen ihn eingestellt.
All diese Vorfälle konnten der politischen Karriere des Roten, der seit den 1970er-Jahren in der Partei ist, nichts anhaben. Nun könnte der Sozialdemokrat über eine brisante Tonbandaufnahme stolpern. Dabei handelt es sich natürlich um die Ruck-Leaks.
Im Zuge eines Gesprächs mit dem in Ungnade gefallenen Ex-Wiener-Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck und weiteren Personen soll Nevrivy scharf gegen seinen Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler geschossen haben – "Heute" berichtete. In der Weinkeller-Runde bezeichnete der Bezirksvorsteher Babler als "Bürgermeister, der nichts kann" und warf ihm übermäßigen Alkoholkonsum vor. Zudem halte er die Mietpreisbremse seines Parteichefs für wirkungslos und sich selbst für intelligenter als Babler.
Doch nicht nur die Angriffe auf seinen Parteichef bringen Nevrivy in Bedrängnis. Er soll der eigenen Partei vorgeworfen haben, dass man nicht wirtschaften könne und einen Teilverkauf der Gemeindewohnungen ins Spiel gebracht haben. Das Wort "verklopfen" soll gefallen sein.
Obwohl sich Nevrivy bereits für beide Dinge entschuldigt hatte, ist die Stimmung ihm gegenüber mehr als angespannt. So forderte die Sozialistische Jugend Wien seinen Rücktritt. "Halbherzige Entschuldigungen reichen hier nicht aus. Angriffe auf den sozialen Wohnbau und Hinterzimmerpolitik haben im Roten Wien keinen Platz. Daraus müssen Konsequenzen folgen", hieß es seitens der Wiener SJ-Vorsitzenden Lena Stern.
Wie die "Krone" berichtet, dürften aber nicht nur die Jungen in der Wiener SPÖ dieser Meinung sein. Auch im Rathaus finden sich Kritiker. So sagte ein Insider gegenüber der Tageszeitung, dass die "Privatisierungs-Phantasien" des Bezirksvorstehers der Partei schaden würden. "Dass ein Sozialdemokrat Gemeindebauwohnungen verklopfen will, spricht in Wahrheit gegen alles, wofür die SPÖ steht", hieß es weiter.
Doch was sagt Nevrivy selbst zu der erneuten Aufregung um seine Person? Gegenüber der "Krone" gab sich das Wiener SPÖ-Urgestein jedenfalls wortkarg. Einen möglichen Rücktritt lehnte er jedenfalls mit einem entschiedenen "Nein!" ab. Ansonsten wollte Nevrivy keinen Kommentar abgeben. Scheint so, als wollte der Bezirksvorsteher die Causa aussitzen.