Vizebürgermeisterin im Talk

90 Intensivtäter unter 14 – "Sind allen auf den Fersen"

Auszeit-WG, 32 Grad im Klassenzimmer und fehlende Lehrer: Bildungsstadträtin Bettina Emmerling steht im "Heute"-Interview Rede und Antwort.
Hannah  Maier
20.08.2026, 05:30
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Die Auszeit-WG für straffällige Kinder unter 14 Jahren sorgt für Zündstoff. Kritiker stellen das Konzept infrage, auch Kosten und rechtliche Grundlage stehen immer wieder im Mittelpunkt. Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) verteidigt das Projekt im "Heute"-Interview vehement – und sieht darin eine letzte Chance für besonders auffällige Kinder.

Emmerling verteidigt Auszeit-WG

"Wir haben 12- bis 13-Jährige, die rauben andere Kinder aus, die bedrohen andere Kinder, die üben Gewalt aus", sagt Emmerling. Es könne nicht sein, dass diese Kinder genau wüssten, dass ihnen aufgrund ihres Alters strafrechtlich kaum etwas droht. "Es kann nicht sein, dass wir keine Handhabe haben", so Emmerling.

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90 Intensivtäter

90 Intensivtäter unter 14 Jahren gibt es derzeit in Wien. "Wir sind jedem Einzelnen auf den Fersen", sagt Emmerling. Die Auszeit-WG sei deshalb "die letzte Möglichkeit", mit diesen Kindern zu arbeiten. Fünf bis zehn Kinder nehmen die bisherigen Angebote nicht in Anspruch und kommen daher laut Emmerling derzeit für die Maßnahme infrage. Zwei Plätze gibt es; die Aufenthaltsdauer beträgt sechs bis zwölf Wochen. Einen weiteren Ausbau plane man derzeit nicht. Ein 13-Jähriger ist bereits untergebracht. "Ich war ihn besuchen, er ist kooperativ", so Emmerling.

"Was ist die Alternative?"

Die Kritik an der Auszeit-WG weist die Wiener Vizebürgermeisterin zurück. "Was ist denn die Alternative? Es gibt keine", sagt sie. Die Kinder würden direkt aus ihrem bisherigen Umfeld genommen, um weitere Straftaten zu verhindern. Gleichzeitig solle ihnen eine letzte Chance gegeben werden, bevor sich mit dem Erreichen der Strafmündigkeit der Weg Richtung Gefängnis entwickeln könnte.

„Dieses Projekt ist über ein Jahr konzeptioniert worden und steht auf guten Beinen.“
Bettina EmmerlingVizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin, NEOS

Rechtlich fordert Emmerling eine bundesweit einheitliche Regelung. Derzeit werde die Unterbringung über das Heimaufenthaltsgesetz ermöglicht, obwohl dieses eigentlich für den Gesundheitsbereich gedacht sei.

"Kein Traumurlaub"

Auch die Auslandsunterbringungen von Intensivtätern verteidigt Emmerling. "Wir wollen die Gesellschaft schützen und Intensivtäter aus dem Verkehr ziehen und das passt dann auch wieder nicht?", meint sie im Interview. Der oft verwendete Begriff "Traumurlaub" sei völlig irreführend: "Ich kann Ihnen versichern, dass es alles andere als ein Urlaub ist. Für diese Kinder ist es die härteste Strafe, ihr Umfeld zu verlassen, um sich mit ihrer Zukunft auseinanderzusetzen." In den vergangenen fünf Jahren seien drei Kinder von einer solchen Maßnahme betroffen gewesen. In Zukunft gibt es dafür die Auszeit-WG.

Hitze-Schutz für Schulen

Die nächste große Baustelle liegt bei der zunehmenden Hitze in den Schulen. Auch Emmerling selbst bekam die Hitzewellen zu spüren: "Ich glaube, in meinem Büro hatte es 32 Grad und zu Hause habe ich auch keine Klimaanlage", erzählt sie.

Bettina Emmerling sprach über Hitzefrei, Schulbau und Maßnahmen gegen kriminelle Jugendliche.
Sabine Hertel

Emmerling bleibt bei ihrer Forderung, die Sommerferien künftig vorzuverlegen. Gerade der Juni sei wegen des hohen Sonnenstands, heißer Tage und Tropennächte problematisch. Ende August seien die Nächte länger und bereits kühler und Schulen könnten dadurch besser gelüftet werden.

Frühere Ferien und Hitzefrei

Eine Ferienverlegung allein soll es aber nicht richten. Bei Neubauten und Generalsanierungen setze Wien bereits auf Außenjalousien, Begrünung und Kühldecken. Problematisch seien vor allem ältere Schulgebäude. Dort will Emmerling zunächst die Bürokratie abbauen, damit mobile Klimaanlagen und Ventilatoren schneller eingesetzt werden können. Schritt für Schritt sollen zudem Schulen mit besonders großem Bedarf fixe Kühllösungen bekommen. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht. Auch in den Kindergärten wird gegen die Hitze aufgerüstet. Heuer wurde laut Emmerling in neun Einrichtungen begonnen Klimaanlagen einzubauen.

Für "hitzefrei" zeigt sich Emmerling offen. Auf eine starre Temperaturgrenze will sie sich nicht festlegen. Entscheidend sei vielmehr, wann Unterricht praktisch nicht mehr möglich ist: "Wenn sich Kinder nicht mehr konzentrieren können, weil alle nur noch fächern und schwitzen und auch die Lehrpersonen es nicht mehr ertragen, dann ist es höchste Zeit zu handeln."

Schulbau: Fünf Projekte aufgeschoben

"Wir sparen nicht in der Bildung", stellt Emmerling klar. Aufgrund der angespannten Budgetsituation mussten allerdings fünf Schulprojekte verzögert beziehungsweise aufgeschoben werden.

Es werde aber weiter gebaut, versichert die Stadträtin. Bereits laufende Projekte und Sanierungen würden fortgesetzt, neue Vorhaben seien ebenfalls beschlossen worden. Der Bedarf bleibe hoch, weil Wien weiterwächst.

Lehrermangel: "Waren noch nie so entspannt"

Kurz vor dem Schulstart richtet sich der Blick auch auf den Lehrermangel. Rund 35.000 Stunden seien für Wien ausgeschrieben worden, 22.000 bereits zugewiesen. Emmerling gibt sich gelassen: "Wir waren noch nie so entspannt wie heuer", sagt sie.

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Bis zum Schulbeginn werde man alle Stellen besetzen, versichert die Bildungsstadträtin. Sie spricht von einer "Trendumkehr": Der Lehrerberuf werde wieder attraktiver, auch der Quereinstieg bringe zusätzliche Bewerber. Die restlichen Stellen würden bis in die letzten Ferienwochen vergeben.

Kindergarten als nächster großer Brocken

Für die Zukunft hat Emmerling bereits den nächsten Schwerpunkt im Visier: die Reform des Kindergartens. Die Gruppen sollen kleiner werden, Sprachcluster aufgebrochen werden. Künftig darf maximal ein Fünftel der Kinder dieselbe gemeinsame Erstsprache haben, die nicht Deutsch ist.

Auch verpflichtende Elterngespräche werden eingeführt – inklusive Sanktionen in Form einer Verwaltungsstrafe. Ab Herbst bleibt ein Ganztagesplatz im städtischen Kindergarten auch dann erhalten, wenn Eltern etwa in Karenz gehen oder arbeitslos werden. In den kommenden Jahren soll das Fördersystem zudem komplett umgebaut werden.

Jugendkriminalität weiterhin auf der Agenda

Stolz zeigt sich Emmerling auch auf die verpflichtende Sommerschule, die heuer erstmals stattfindet. Die Plätze für Deutschkurse für Schulanfänger im Kindergarten wurden laut ihr verdreifacht. Schulen mit besonderen Herausforderungen bekommen ab Herbst zusätzliche Unterstützung durch den Chancenbonus, auch Schulpsychologen werden aufgestockt.

Die Jugendkriminalität bleibt daneben ganz oben auf der Agenda. Die Auszeit-WG und weitere Maßnahmen sollen evaluiert und weiterentwickelt werden. "Hier gibt es noch viel zu tun, da habe ich viel vor", kündigt Emmerling an.

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