Leid, Bomben, Zerstörung: In Syrien aufgewachsen wurde Omar Khir Alanam schon früh mit dem Thema Krieg konfrontiert. In Österreich fand der 35-Jährige eine Stimme, veröffentlichte hier bereits fünf Bücher, in denen er humorvoll über Vorurteile, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der arabisch-österreichischen Kultur erzählt. Mit seinem neuen Buch "Frieden ist unsere Superkraft" will er einen Appell gegen Gewalt setzen – und zeigen, dass Frieden schon bei Kindern beginnt.
"Es soll eine Einladung an Eltern, Großeltern, Tanten, Onkeln, Lehrkräfte sein, mit Kindern über diese Themen zu sprechen und sie somit schon früh genug friedlich aufzuklären", erzählt Khir Alanam im Gespräch mit "Heute". Seit Jahren ist der Autor in Schulen in ganz Österreich unterwegs, gibt dort Workshops: "Ich habe viele unterschiedliche Realitäten kennengelernt und überall waren diese Themen präsent: Was ist ein richtiger Mann, bin ich erst männlich wenn ich laut bin und schreie? Ist meine Ehre als Mann davon abhängig, eine weibliche Person zu kontrollieren?"
Mit all dem will der Wahl-Wiener nun aufräumen: "Ich bin ein richtiger Mann, wenn ich die Fähigkeit habe zu spüren, wenn ich Mitgefühl und Empathie habe." In seinem Buch versuche er, falsch verstandene Begriffe wie den der Ehre neu zu definieren, im Rahmen von Geschichten und Sachinformationen – alles in einfacher Sprache. Denn Krieg bedeutet für ihn nicht nur Bomben und Explosionen, sondern fängt früher an: "Bomben sind die letzte Eskalation, aber Krieg ist die Bereitschaft, Gewalt da einzusetzen wo eigentlich Frieden herrscht."
Oft scheitere es daran, dass Jugendliche nicht die richtigen "Werkzeuge" hätten, ist der gebürtige Syrer sicher. "Sie müssen lernen, wie man mit Emotionen, mit Wut, mit Verletzung umgeht, ohne alles zu unterdrücken. Denn diese Gefühle verschwinden nicht einfach und unbewusst wird Wut dann zu Handlungen." Unterteilt ist das Buch in vier Abschnitte: "Frieden in der Welt", "Frieden im Klassenzimmer", "Frieden in mir" und "Frieden im Internet".
Vor allem Letzteres spiele heutzutage eine große Rolle, weiß Khir Alanam. "Jugendliche sehen ständig Bilder aus Kriegsgebieten in den sozialen Medien. Ich merke ja, was es mit mir selbst macht, wie der Algorithmus arbeitet, wie es mir geht, wenn ich stundenlang konsumiere. Es entsteht ein Gefühl der Ohnmacht, ein Gefühl, dass ich nichts tun kann und die Welt untergeht. So geht es den Jugendlichen auch."
Gerade deshalb sei es wichtig zu vermitteln, dass jede und jeder im eigenen Umfeld Frieden stiften kann: "Ich bin immer handlungsfähig, kann mich in meiner Umgebung, in der Schule, auf der Straße für Frieden einsetzen und Samen pflanzen. So wird man zum Held des Friedens."
Im Buch gibt es dazu Übungen zum Mitmachen und Beispiele, aber auch Informationen, wohin man sich im Ernstfall wenden kann. Ebenso wie einen Aufruf zur Zivilcourage: "Wenn ich merke, eine Person zieht sich immer mehr zurück, ihr geht es nicht gut oder aber auch jemand radikalisiert sich, gilt es Hilfe zu holen. Das ist weder Verrat noch sonst etwas. Es ist wichtig!"
In seinen Workshop habe er bereits gemerkt, wie die Botschaft ankommt, berichtet Khir Alanam. "Ich war in Klassen, die als äußerst schwierig gelten und habe dann vom Lehrpersonal, vor dem ich größten Respekt habe, die Rückmeldung bekommen, dass sie die Schüler noch nie so gesehen hätten. Das ist berührend." Sein größter Wunsch: Dass das Buch künftig auch an Schulen zum Einsatz kommt.
Er selbst arbeite gerade an seinem inneren Frieden: "Ich kann erst Frieden in die Welt pflanzen, wenn ich ihn in mir selbst gefunden habe. Ich versuche mich mit meiner Vergangenheit zu beschäftigen, ohne sie zu verteufeln. Anzunehmen was war, vertrauen auf das was kommt und leben im Jetzt." Er habe Krieg und Gewalt erlebt, schlimme Erfahrungen gemacht und sei geflüchtet, um nicht selbst Gewalt anwenden zu müssen. "Gewalt verdunkelt meine Psyche, deshalb werde ich mich mit aller Kraft für den Frieden einsetzen".
Das Buch widmet er seinem 7-jährigen Sohn und seinem weiteren Sohn, der schon bald zur Welt kommen wird. "Ich will ihnen eine männliche Stimme geben, die ich als Kind vermisst habe und versuchen, ein Ufer zu sein. Geschichten machen so viel, sie haben Magie.
In der Schule wünsche er sich mehr "sichere Räume" für echte Begegnungen: "Räume, wo Kinder sich öffnen und entfalten können." Und für die Welt hat er noch einen ganz besonderen Traum: "Ein Friedensministerium. Ich finde das nicht naiv, ich hoffe, dass sich die Politiker dafür einsetzen. Das ist mein Traum!"
"Frieden ist unsere Superkraft" von Omar Khir Alanam und Amir Abou Roumié (Illustrationen) erscheint am 1. September im leykam Verlag. Die Buchpräsentation mit Barbara Stöckl findet am 1. September im Thalia Mariahilferstraße statt.