Nicht nur in den heimischen Seen finden sich gefährliche Altlasten, auch am Meeresboden lauern Relikte aus vergangenen Tagen. Neben jeder Menge Munition liegen dort auch Schiffswracks – wie jenes der Komsomolez. Das sowjetische Atom-U-Boot war während des Kalten Kriegs mit Torpedos und Raketen unterwegs.
Am 7. April 1989 kam es zwischen Norwegen und Spitzbergen zu einer Katastrophe: Nach einem Brand sank die Komsomolez auf fast 1.700 Meter Tiefe. Der Reaktor wurde damals zwar abgeschaltet, doch seither liegt das U-Boot samt zwei Atomsprengköpfen am Meeresgrund. Lange war unklar, wie es um das Wrack steht. Schon eine Untersuchung im Jahr 1994 ließ nichts Gutes erwarten.
Untersuchungen sowjetischer und später russischer Tauchgänge in den 1990er-Jahren zeigten, dass das U-Boot stark beschädigt war: Sowohl die Außenhülle als auch die innere Druckhülle wiesen Risse und Löcher auf. Nachdem 1994 festgestellt wurde, dass aus den Sprengköpfen und einer Öffnung im Reaktorraum radioaktive Stoffe wie Plutonium, Cäsium, Cobalt und Strontium austraten, ließ Russland den Torpedoraum und die Torpedorohre mit Titanstopfen und -platten abdichten.
Jetzt gibt es neue Ergebnisse von Justin Gwynn und seinem Team von der Norwegian Radiation and Nuclear Safety Authority in Tromsø. Die Bilanz fällt gemischt aus – es gibt gute und schlechte Nachrichten.
Die Studie wurde im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.
Die Abdichtung des Torpedoraums, die Russland 1994 vorgenommen hat, hält offenbar noch immer dicht. "Wir haben keine Hinweise auf Plutonium aus den Atomsprengköpfen in der Umgebung des beschädigten vorderen U-Boot-Teils gefunden", so die Forscher. Die gemessenen Mengen an Plutonium und anderen radioaktiven Stoffen entsprechen dem natürlichen Hintergrund dieser Meeresregion.
Aus dem Reaktor des Wracks tritt weiterhin Radioaktivität aus, die ins Meer gelangt. Das Team fand bei der Lüftungsöffnung des Reaktorraums und an einem Metallgitter in der Nähe sowohl erhöhte Plutoniumwerte als auch deutlich mehr Cäsium-137 und Strontium-90. Die gemessenen Strontium-90-Werte liegen laut den Forschenden bis zu 400.000 Mal über der natürlichen Radioaktivität in diesem Gebiet, die Cäsium-137-Werte sogar bis zu 800.000 Mal höher.
Dass die Komsomolez weiterhin radioaktive Stoffe abgibt, zeigt, dass der Brennstoff im Reaktor mit Meerwasser in Kontakt ist und langsam zerfällt. Doch – und das sehen die Forschenden als weiteren Lichtblick – lassen sich im Meeresboden und im weiteren Umkreis nur geringe Mengen der gefährlichen Substanzen nachweisen. "Die freigesetzten Radionuklide scheinen sehr schnell durch das umgebende Meerwasser verdünnt zu werden."
Gwynn und sein Team gehen davon aus, dass die großen Fischbestände in dieser Region aktuell nicht gefährdet sind. Dennoch empfehlen sie, das Wrack weiterhin zu überwachen. "Angesichts der weltweit zunehmenden militärischen Aktivitäten und geopolitischen Spannungen kann das Schicksal der Komsomolez und des darin befindlichen nuklearen Materials wichtige Erkenntnisse über die Auswirkungen zukünftiger Unfälle mit atomgetriebenen Schiffen und Atomwaffen auf See liefern", zitiert die Nachrichtenagentur DPA die Forschenden.