Côte d'Azur von Fluten bedroht

Tsunami-Gefahr im Mittelmeer – Unesco warnt

Das Mittelmeer gilt vielen als harmlos. Doch Experten warnen: Die Gefahr durch Tsunamis ist real - auch an der französischen Küste.
Bernd Watzka
16.03.2026, 10:27
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Seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind rund 100 Tsunamis im Mittelmeer und angrenzenden Gebieten dokumentiert worden. Die Unesco schätzt die Wahrscheinlichkeit eines mediterranen Tsunamis - mit einer Wellenhöhe von mindestens einem Meter - in den kommenden Jahrzehnten als sehr hoch ein.

Historische Ereignisse und neue Studien zeigen zudem: Auch die französische Mittelmeerküste wurde bereits von solchen Wellen getroffen.

Wie Tsunamis entstehen

Tsunamis entstehen meist durch Seebeben, untermeerische Hangrutschungen oder Vulkanausbrüche. Während normale Windwellen nur die Oberfläche bewegen, setzt ein Tsunami die gesamte Wassersäule vom Meeresboden bis zur Oberfläche in Bewegung.

Dabei kommt es weniger auf die Höhe der Welle an als auf das enorme Wasservolumen. Oft rollen mehrere Wellen hintereinander an Land. Fachleute betonen: Nicht immer ist die erste Welle die stärkste.

Tragisches Beispiel in Nizza

Für die Côte d'Azur sind mehrere Fälle dokumentiert. Ein besonders bekanntes Beispiel ereignete sich am 16. Oktober 1979 in Nizza. Damals löste ein untermeerischer Hangrutsch im Zusammenhang mit Bauarbeiten im Hafen- und Flughafenbereich einen Tsunami aus.
Acht Menschen kamen ums Leben.

Warnsystem mit Grenzen

Auch das Erdbeben von Boumerdès in Algerien am 21. Mai 2003 hatte Folgen an der französischen Mittelmeerküste. Studien berichten von starken Meeresspiegelschwankungen, heftigen Strömungen und Schäden in mehreren Yachthäfen an der Côte d'Azur.

"Statistiken zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Tsunami von mindestens einem Meter Höhe im Mittelmeer in den nächsten 30 Jahren bei 100 Prozent liegt", heißt es von der Unesco.

Im Ernstfall bleibt wenig Zeit

Gerade im Mittelmeer bleibt im Ernstfall oft wenig Zeit, zu reagieren. Bei lokalen Auslösern in Küstennähe können nur wenige Minuten bleiben. Frankreich betreibt seit 2012 ein nationales Tsunami-Warnsystem, das Teil des von der Unesco koordinierten regionalen Netzes ist. Weitere gefährdete Länder und Regionen sind Süditalien, Griechenland, Spanien, Portugal, Nordafrika und Westtürkei.

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