Österreich hat sich 1978 klar gegen die Nutzung von Kernenergie entschieden. Stark radioaktiver Abfall aus Atomkraftwerken entsteht hierzulande also nicht. Der einzige aktive (Mini-)Reaktor steht zu Forschungszwecken im Atominstitut der TU Wien.
Trotz des Neins zur kommerziellen Atomkraft fällt aber auch hierzulande jede Menge radioaktiver Müll an. Er stammt aus Medizin, Industrie und Forschung. In die Restmülltonne darf er nicht. Wohin also mit dem radioaktiven Zeug?
Pro Jahr werden in Österreich etwa 200 Fässer mit radioaktivem Abfall befüllt, jedes mit einem Volumen von 200 Litern, erklärt Henriette Herzog vom Entsorgungsbeirat auf "Heute"-Anfrage. Über die Jahre hat sich so eine beachtliche Menge angesammelt: mehr als 12.000 Fässer. Dafür braucht es einen geeigneten Platz.
Der Abfall landet zur Zwischenlagerung im niederösterreichischen Seibersdorf. Dort betreibt die "Nuclear Engineering Seibersdorf"(NES) im Auftrag der Republik ein Transferlager für radioaktiven Abfall. Teilweise holt das Unternehmen die Materialien selbst ab - etwa aus Krankenhäusern oder Universitäten.
Transportiert wird der Müll in gekennzeichneten Gefahrgut-Fahrzeugen, meist in stabilen Stahlfässern. Der Inhalt wirkt auf den ersten Blick wenig spektakulär: Handschuhe, Putzfetzen aus Laboren oder Spritzen aus der Medizin. Auch strahlenbelastete Industrieabfälle werden angeliefert, etwa Bauteile oder Bauschutt.
Einziger – extrem unwahrscheinlicher – schwerer Unfall, bei dem es zu einem Austreten von radioaktiven Stoffen an die Umgebung kommen kann, wäre laut "Nuclear Engineering Seibersdorf" der Absturz eines vollbetankten Jets direkt auf die Lagerhallen und ein daraus resultierender Kerosinbrand.
Das Ziel ist klar: Das Volumen des radioaktiven Materials möglichst stark zu verkleinern. Laut NES können rund 85 Prozent des Rohabfalls gereinigt und wieder in den normalen Kreislauf zurückgeführt werden. Brennbare Stoffe werden verbrannt, Metalle eingeschmolzen, andere Materialien stark verpresst oder einbetoniert.
Das Lager in Seibersdorf ist dennoch nur eine Übergangslösung. In den kommenden Jahren sollen die Abfälle in ein dauerhaftes Endlager gebracht werden. Wo dieses entstehen könnte, prüft derzeit der österreichische Entsorgungsbeirat. Ziel ist ein Standort, der den Müll rund 300 Jahre sicher einschließt.