Wiens Schwesterstadt Budapest ist bekanntlich nur einen Katzensprung entfernt, mit dem Zug sind es gute zweieinhalb Stunden. Neben der Fischerbastei, dem Parlament und anderen Sehenswürdigkeiten gibt es schon am Ankunftsbahnhof eine ganz besondere Sache zu sehen, wie Twitter-User Gregor entdeckt hat.
Alle zwei Stunden fährt vom größten Bahnhof Keleti (Ostbahnhof) ein Zug zum Westbahnhof (Nyugati). Das Ungewöhnliche: Für diese gute zwei Kilometer Luftstrecke braucht der Zug mehr als sechs Stunden. Ist das also der langsamste Zug der Welt?
Rechnet man rein die Distanz zwischen den Endstationen durch die Fahrtzeit, dürfte das der Fall sein. Doch die Wenigsten werden diese Route fahren. Der Zug fährt nämlich quasi eine Runde durch halb Ungarn: erst über Szolnok in den Osten nach Debrecen, von dort in den Norden nach Nyíregyháza und dann über Miskolc zurück nach Budapest.
Eigentlich also ein guter Weg, einige der größten Städte Ungarns miteinander zu verbinden. Trotzdem gibt es einige Leute, die tatsächlich die kuriose, sechs Stunden lange Reise von Budapest nach Budapest antreten. Wie es der Zufall so will, hat sich unter dem Tweet ein Schaffner der Ungarischen Bahn eingefunden.
"Tatsächlich kommt das öfter vor, als ich dachte. In den meisten Fällen handelt es sich um Familien mit Kindern und zugbegeisterte Freundesgruppen, die an Bord essen und trinken und die Landschaft genießen." Für viele ist die Zugfahrt also wie ein Nachmittag im Café – nur mit einer ganz besonderen Erfahrung.
Oft kommt es am Bahnsteig aber auch zur Verwirrung, etwa wenn Menschen nach Debrecen wollen, aber in einen Zug einsteigen sollen, der nach Budapest (eigentlich in die völlig falsche Richtung) fährt. Mittlerweile steht deshalb zusätzlich der Hinweis "über Nyíregyháza nach Keleti" am Zug.
Das Buchungssystem der Ungarischen Staatsbahn MAV kommt dabei aber an seine Grenzen. Zwar wird die Direktverbindung angezeigt, Tickets müssen jedoch in zwei Schritten gebucht werden. Dadurch kommt man auf einen Preis von rund 25 Euro.