Oft Trennung als Grund

25 Mordversuche – diese Gewalt-Zahlen erschüttern Wien

Tausende Wienerinnen suchten 2025 nach Gewalterfahrungen Unterstützung. Der neue Tätigkeitsbericht des Gewaltschutzzentrums zeigt das enorme Ausmaß.
Wien Heute
06.09.2026, 20:54
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Die Zahlen sind erschreckend: Insgesamt 6.666 Gewaltbetroffene wurden im vergangenen Jahr vom Gewaltschutzzentrum Wien beraten. Darunter waren 5.751 Erwachsene und 915 Minderjährige. Mehr als 40.000 Beratungsgespräche wurden geführt, dazu kamen rund 50.000 Kontakte mit anderen Institutionen. In 2.858 Verfahren unterstützte das Zentrum Betroffene im Rahmen der Prozessbegleitung.

Das geht aus dem jetzt veröffentlichten Tätigkeitsbericht 2025 des Gewaltschutzzentrums Wien hervor. Seit seiner Gründung im Jahr 1998 hat die Einrichtung bereits fast 140.000 Menschen beraten. Rund 60 Mitarbeiter sprechen insgesamt 13 Sprachen.

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Knapp 4.000 Betretungsverbote

Besonders deutlich wird das Ausmaß häuslicher Gewalt beim Blick auf die Polizeieinsätze. 3.983 Betretungs- und Annäherungsverbote sprach die Wiener Polizei alleine 2025 aus. Von den 5.240 Klienten, deren Beratung beim Gewaltschutzzentrum im vergangenen Jahr erstmals begann, kamen 4.291 beziehungsweise 81,9 Prozent über eine Zuweisung der Polizei. 791 Betroffene wandten sich selbst an die Einrichtung.

Doch selbst diese Zahlen bilden das tatsächliche Ausmaß offenbar nur teilweise ab. Laut einer im Bericht zitierten Studie des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen melden weniger als neun Prozent der von Gewalt betroffenen Frauen Gewalttaten ihres Partners bei der Polizei. Bei Gewalt durch Ex-Partner liegt der Anteil demnach bei zumindest 19 Prozent. Das Gewaltschutzzentrum geht deshalb weiterhin von einer hohen Dunkelziffer aus.

Allein 25 Mordversuche im Jahr 2025

Auch die dem Gewaltschutzzentrum bekannt gewordenen Strafanzeigen zeichnen ein drastisches Bild. 2025 wurden 2.876 Anzeigen wegen Körperverletzung beziehungsweise schwerer Körperverletzung registriert. Dazu kamen 2.126 Anzeigen wegen gefährlicher Drohung oder Nötigung.

335 Anzeigen betrafen beharrliche Verfolgung, 328 fortgesetzte Gewaltausübung. In 100 Fällen ging es um Vergewaltigung beziehungsweise geschlechtliche Nötigung, in 36 um sexuellen Missbrauch. Auch 25 Mordversuche finden sich in der Statistik. Das Zentrum weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass diese Zahlen nur jene Strafanzeigen umfassen, die ihm bekannt wurden – und damit nur einen Ausschnitt der Realität darstellen.

Gewalt innerhalb von Beziehungen

Auffällig ist auch die Geschlechterverteilung. Von den 6.666 betreuten Personen waren 5.229 beziehungsweise 78,4 Prozent weiblich, 1.436 männlich. Bei den erfassten Gefährdern zeigt sich beinahe das umgekehrte Bild: Von insgesamt 5.815 Personen waren 5.015 beziehungsweise 86,2 Prozent männlich.

Besonders häufig findet Gewalt innerhalb von Beziehungen statt. In Fällen von Gewalt im sozialen Nahraum – Stalking ausgenommen – waren 35 Prozent der Gefährder aktuelle Partner, weitere 23,1 Prozent Ex-Partner.

Trennungsphase ist besonders gefährlich

Bei Stalking verschiebt sich das Bild noch deutlicher: In mehr als jedem zweiten Fall (50,8 Prozent) war der Stalker ein Ex-Partner. Das Gewaltschutzzentrum bezeichnet die Trennungsphase als besonders gefährliche Zeit und betont, dass das Ende einer Beziehung nicht automatisch auch das Ende der Gewalt bedeutet.

Besonders betroffen macht eine weitere Zahl aus dem Bericht: Die 6.666 Klienten lebten mit insgesamt 3.871 minderjährigen Kindern zusammen. In 2.178 Haushalten lebte zumindest ein Kind. Kinder und Jugendliche, die Gewalt miterleben, gelten ebenfalls als Gewaltopfer.

Deepfakes als großes Problem

Zunehmend beschäftigt das Gewaltschutzzentrum auch digitale Gewalt. 2025 wurden der Einrichtung zwar lediglich 30 Anzeigen wegen Cybermobbings übermittelt. Das Zentrum warnt jedoch davor, daraus auf ein geringes Problem zu schließen. Cybergewalt könne auch unter andere Straftatbestände fallen, viele Betroffene würden digitale Gewalt zudem gar nicht als solche erkennen.

Besonders brisant: Immer häufiger wenden sich laut Bericht Menschen an das Zentrum, die Opfer sogenannter Deepfakes geworden sind. Dabei werden Bilder, Videos oder Audiodateien manipuliert. Gesichter von Betroffenen tauchen beispielsweise in pornografischen Darstellungen auf, obwohl die Personen damit tatsächlich nichts zu tun haben. Das Gewaltschutzzentrum sieht hier noch erhebliche Lücken in der Gesetzgebung und fordert einen besseren Schutz der Opfer.

{title && {title} } red, {title && {title} } 06.09.2026, 20:54