Für die Anrainer bei der Station Neu Erlaa in Wien-Liesing ist an Erholung derzeit kaum zu denken. Grund dafür ist ausgerechnet eine Sicherheitsmaßnahme vor einem Bahnübergang: Dort warnt ein neues Läutwerk Fahrgäste und Autolenker seit Ende der Sommerbaustelle auf der Triester Straße vor herannahenden Zügen der Badner Bahn.
Doch die Glocke ist laut den Anrainern viel zu laut eingestellt. "Diese rein mechanische Glocke bimmelt seither Tag und Nacht ohne Unterbrechung mit exakt derselben, ohrenbetäubenden Lautstärke", berichtet ein Anrainer. "Seit Wochen kann hier im gesamten Wohnblock niemand mehr schlafen."
Die Bewohner wandten sich an VP-Bezirkssrat Markus Fiala. "Es ist unzumutbar", so Fiala. "Das Läutwerk erreicht 82 Dezibel und läutet mehr als 250-mal pro Tag. Unter der Woche schlägt die Glocke von 4.30 Uhr bis 0.30 Uhr." Besonders bitter für die Anrainer: Am Wochenende fährt die Badner Bahn auch in der Nacht, die Warnglocke schlägt dann rund um die Uhr Alarm.
Hinter dem ungewöhnlichen Lärm-Streit steckt die rechtliche Sonderstellung der Badner Bahn. Während sie bis Wien-Meidling wie eine Straßenbahn unterwegs ist, gilt sie auf der weiteren Strecke als Eisenbahn – und unterliegt dann auch dem Eisenbahngesetz. Laut ÖVP Liesing habe die zuständige MA 64 die Umsetzung der eisenbahnspezifischer Vorschriften verlangt – obwohl dafür noch drei Jahre Zeit gewesen wäre.
Die Lautstärke sei dabei an den Umgebungslärm der stark befahrenen B17 angepasst worden. Die Folge: Die Glocke schlägt mit 82 Dezibel und ist so aufgestellt, dass sie bei den umliegenden Häusern besonders laut zu hören sei. "Niemand will und kann in so einem extremen Lärm leben", so ein betroffener Anrainer von einem Grundstück gegenüber.
Die Liesinger ÖVP fordert nun Sofortmaßnahmen. Das Läutwerk soll bis zu einer endgültigen Klärung wieder abgeschaltet werden. Sollte eine Abschaltung nicht möglich sein, soll zumindest die Belastung reduziert werden.
"Wir mussten eine behördliche Vorgabe aus Sicherheitsgründen umsetzen", so ein Sprecher der Badner Bahn. "Die Glocke muss den Umgebungslärm übertönen." An der Kreuzung Triester Straße und Schimekgasse gibt es auch einen Übergang für Menschen mit Sehbehinderung. Dazu kommen Schwerverkehr und die Haltestelle der Badner Bahn. Die Sicherung sei deshalb notwendig. "Wir sind verpflichtet das umzusetzen." Es gehe darum, schwere Unfälle auf dem Bahnübergang auf der Triester Straße zu verhindern.