Erst sein Tod brachte das ganze Ausmaß ans Licht: Ein Wiener Rechtsanwalt hinterließ einen Schuldenberg von fast 28 Millionen Euro. Im Zuge der Verlassenschaftsabwicklung wurden die enormen Außenstände bekannt. Dahinter sollen fragwürdige Geschäfte mit Grundstücken und Wohnungen stehen – das berichtet die "Kronen Zeitung".
Der Fall sorgt nun in Wiener Anwaltskreisen für Aufsehen. Der Ende 60-jährige Jurist hatte einen guten Ruf. Nach einem Herzinfarkt wurde jedoch deutlich, wie groß die finanziellen Probleme tatsächlich waren.
Den hohen Forderungen stehen dem Bericht zufolge nur geringe Vermögenswerte gegenüber. Neben etwas Bargeld auf Konten sollen sich noch einige Gemälde in der Wiener Wohnung des Verstorbenen befinden, heißt es im Bericht der Tageszeitung weiter.
Für die Gläubiger bedeutet das massive Verluste. Die Quote liegt demnach bei lediglich 0,13 Prozent. Nur ein Kind des Verstorbenen erhält die Kosten für das Begräbnis samt Blumenschmuck ersetzt, berichtet die "Krone".
Besonders viel Geld verliert die Raiffeisenbank Korneuburg. Bei Außenständen von 12,4 Millionen Euro sollen nicht einmal 16.000 Euro zurückfließen.
Auch eine Immobiliengruppe zählt laut "Krone" zu den großen Gläubigern. Zudem findet sich ein früherer Wiener Polizeigeneral unter den Personen mit offenen Forderungen. Von seinen geforderten 50.000 Euro bleiben laut Bericht lediglich 64 Euro und acht Cent übrig.
Am anderen Ende der Liste findet sich die GIS-Gebührenstelle des ORF. Ihr Anteil beträgt demnach gerade einmal drei Cent, heißt es im Bericht.
Wie es dem Anwalt gelang, über Jahre einen derart hohen Schuldenberg anzuhäufen, bleibt unklar. Ebenso ist offen, welche Vorgänge bei den Immobiliengeschäften letztlich zu den Millionenverlusten führten.
Wegen des Todes des Juristen kann gegen ihn kein Strafverfahren mehr geführt werden. Damit wird auch nicht gerichtlich geklärt werden können, ob hinter den Geschäften strafbares Verhalten steckte, so die "Krone".
Für die zahlreichen Gläubiger bleibt damit vor allem der finanzielle Schaden - und die Frage, wie es überhaupt zu Verlusten von fast 28 Millionen Euro kommen konnte.