Unter dem Motto "Frauen sichtbar machen" ging am Mittwoch (16.9.) im Arkadenhof des Wiener Rathauses der 25. Wiener Frauenpreis über die Bühne. Zum Jubiläum wurden Auszeichnungen in den Kategorien "Digitalisierung", "Alltagsheldin" und "Zeitzeugin" vergeben.
Die Preisträgerinnen erhalten jeweils 3.000 Euro sowie eine von der Künstlerin Vivien Schneider-Siemssen gestaltete Statue. Über die Vergabe entschied eine unabhängige Jury aus den Journalistinnen Brigitte Handlos, Hanna Herbst und Tessa Prager.
In der Kategorie "Digitalisierung" ging der Frauenpreis an die Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig (42). Sie beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit digitalen Themen und Phänomenen wie Desinformation, Hass im Netz, Deepfakes, "Incels" und der sogenannten "Manosphere".
In ihren Büchern und ihrer journalistischen Arbeit analysiert Brodnig die Auswirkungen der Digitalisierung und beschäftigt sich mit Strategien gegen Hass, Desinformation und Polarisierung. Für ihre Arbeit wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Bruno-Kreisky-Sonderpreis für das politische Buch. Zudem war sie Österreichs "Digitale Botschafterin" in der EU.
In der Kategorie "Alltagsheldin" wurde der femchor ausgezeichnet. Das Ensemble wurde 2020 in Wien gegründet und versteht sich als selbstorganisierter feministischer Chor. Neben Inklusion steht insbesondere die Sichtbarkeit genderqueerer Personen im Mittelpunkt.
Das Repertoire reicht von Pop-Arrangements bis zu Liedern des feministischen Widerstands. Der Chor tritt dabei nicht nur auf Kulturbühnen, sondern auch bei Demonstrationen auf. Passend zur Auszeichnung sorgte der femchor bei der Gala auch für die musikalische Begleitung.
Der Preis in der Kategorie "Zeitzeugin" ging an Katja Sturm-Schnabl (90). Die 1936 geborene Kärntner Slowenin wurde als Kind deportiert und überlebte die Haft in nationalsozialistischen Lagern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Sturm-Schnabl Slawistin und beschäftigte sich wissenschaftlich unter anderem mit der slowenischen Kulturgeschichte Kärntens. Bis heute engagiert sie sich als Zeitzeugin für Erinnerungskultur, Menschenrechte und gegen Diskriminierung. 2015 wurde sie für ihren langjährigen Einsatz mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.
Frauen-Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) bezeichnete die Verleihung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums als besonderes Ereignis.
"Es ist ein Privileg diese beeindruckenden Frauen auszeichnen zu dürfen, die mit ihrem Wirken in der Gesellschaft, diese verändert haben. Es ist ein Zusammenkommen von Frauen, die sich für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit mehr als nur verdient gemacht haben, Vorbilder sind und mit ihrem Wirken gleichzeitig weit über den persönlichen Handlungsspielraum hinaus ausstrahlen", so Hanel-Torsch.