Es ist ein Pacht-Aufreger, der seinen Ursprung bei der Stadt Wien hatte: Über drei Jahre hinweg wurde Wiener Kleingärtnern zusätzlich zum Pachtzins auch noch eine Umsatzsteuer von zehn Prozent aufgebrummt. Laut dem Rechnungshof war dies jedoch unzulässig.
Demnach hätte die Stadt entweder keine Steuer oder 20 Prozent einheben müssen. Schlussendlich wurde sich für die Null-Prozent-Variante entschieden. Die Folge war eine Rückerstattung von 3,5 Millionen Euro an den Zentralverband, der als Generalpächter fungiert und die Mehrheit der Kleingärtner in Wien (rund 13.000) vertritt.
Damit kam es nun aber zum nächsten Problem. Der Zentralverband will das Geld nämlich nicht an die Kleingärtner ausschütten. Demnach soll es für spätere Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder wurden darauf erst aufmerksam, weil Direktpächter der Stadt das Geld in der Höhe zwischen 90 und knapp 500 Euro aufs Konto bekommen haben, so ein Vereinsobmann aus dem Westen Wiens gegenüber der "Krone".
Zudem beklagt der Mann, dass das Geld nicht direkt in die Anlage der Betroffenen fließen würde. So könne man auch keine gemeinschaftlichen Anschaffungen mit dem Geld tätigen.
Gegenüber der Tageszeitung erklärte der Präsident des Zentralverbandes, Wilhelm Wohatschek, dass man "die Angelegenheit eingehend geprüft" habe. Auch "eine externe rechtliche Beurteilung" habe man eingeholt. So sei man zu dem Schluss gekommen, dass man die Gutschrift nicht an die Unterpächter auszahlen müsse.
Doch was soll jetzt mit dem Geld passieren? Laut dem aktuellen Plan soll es in einem Fonds angelegt werden. Aus diesem sollen dann Projekte finanziert werden, die dem "Wiener Kleingartenwesen zugutekommen" würden. Als Beispiele wurden "Photovoltaikanlagen auf Vereinshäusern, Begrünungen und naturnahe Grüninseln" genannt. Die Entscheidungsgewalt habe dabei der Hauptvorstand.
Wie sich die Situation in den Kleingärten nun weiterentwickelt und ob sich die Unterpächter die Pläne des Zentralverbandes gefallen lassen, ist unklar. Die Stadt Wien will mit der Causa jedenfalls nichts mehr zu tun haben.
Demnach habe Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) alles getan, was möglich war. Ihr Büro ließ gegenüber der "Krone" wissen, dass seitens der MA 69 "alle Maßnahmen vollumfänglich getroffen worden" seien. Wie nun mit dem Geld umgegangen werde, habe der Verband zu entscheiden.