30 bis 40 Prozent weniger Wein hat das Weingut Mayer am Pfarrplatz heuer im Keller, sagt Thomas Podsednik, Leiter des Weinguts. Die extreme Hitze und die anhaltende Trockenheit haben den Wiener Weinreben ordentlich zugesetzt.
Trotz der geringeren Ernte gibt es aber keinen Grund zur Sorge: Lokale und Buschenschanken sind ausreichend mit Wein versorgt. Für Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) steht deshalb fest, dass die Wiener auch heuer nicht auf ihren Wein verzichten müssen. Bei der traditionellen Weinlese am Schwarzenbergplatz erklärte er, es gäbe "keine Ausrede, keinen Wein zu genießen".
Hans Schmid, Winzer und Eigentümer des Weingut Mayer am Pfarrplatz, zu dem die Wiener Weingärten am Schwarzenbergplatz gehören, berichtet von schwierigen Bedingungen: "Die extreme Trockenheit und eine in dieser Intensität und Dauer noch nie dagewesene Hitzewelle haben unseren Weinreben in diesem Sommer das Äußerste abverlangt."
Für das laufende Jahr rechnet er mit Ertragseinbußen von rund 25 Prozent. In manchen Weingärten musste die Traubenlast der Rebstöcke sogar händisch reduziert werden, um die Pflanzen zu retten. Bei der Qualität gibt es hingegen Grund zur Hoffnung. "Die Beeren sind kerngesund und der Most hat hohe Gradationen, da die Rebstöcke ihre ganze Kraft in die wenigen Trauben stecken können. 2026 hat damit das Zeug zu einem denkwürdigen Jahrgang mit dichten, konzentrierten und langlebigen Weinen."
Neben Hitze und Trockenheit beschäftigt die Winzer heuer auch ein Schädling. Die amerikanische Rebzikade wurde nach dem Burgenland, der Steiermark und Niederösterreich erstmals auch in Wien gesichtet. Sie kann die gefährliche Quarantänekrankheit "Goldgelbe Vergilbung" übertragen. Befallene Rebstöcke müssen sofort gerodet werden.
Für den Wiener Weinbauverband ist deshalb klar: Die Stadt muss sich stärker auf die Folgen des Klimawandels einstellen. Präsident Norbert Walter verweist auf bereits eingesetzte Maßnahmen wie die Tröpfchenbewässerung, bei der gezielt die Rebe mit möglichst wenig Wasser versorgt wird.
"Jetzt brauchen wir jedoch möglichst rasch einen umfassenden Wassermanagement- und Wassersicherungs-Plan für die Wiener Stadtlandwirtschaft. Der Klimawandel wird in Zukunft immer häufiger zu Trockenheit und Hitzeperioden führen und darauf müssen wir uns schon heute in einer gemeinsamen Strategie von Stadt Wien und Landwirtschaft optimal vorbereiten".
Bürgermeister Ludwig betonte bei der traditionellen Weinlese am kleinsten Weingarten der Stadt am Schwarzenbergplatz die Bedeutung der regionalen Landwirtschaft. "Die Versorgungssicherheit der Wienerinnen und Wiener mit frischen und regionalen Lebensmitteln ist uns ein wichtiges Anliegen", erklärte Ludwig, "das gilt für Gemüse, Obst und Getreide genauso wie für den Weinbau".
Gleichzeitig sieht er auch die Konsumenten gefragt: "Jede und jeder kann einen Beitrag leisten, indem regionale Produkte nachgefragt und die Wiener Weinbaubetriebe sowie ihre Heurigen unterstützt werden. Das stärkt die Wertschöpfung vor Ort und hilft den Betrieben unmittelbar."