Die Hitze und die extreme Trockenheit setzen den heimischen Winzern massiv zu. In Niederösterreich beginnt die Hauptweinlese heuer deutlich früher als sonst. Besonders hart trifft es jene Betriebe, die ihre Weingärten nicht bewässern können.
Wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, zeigt ein Blick ins Weinviertel. Winzer Johannes Zillinger aus Velm-Götzendorf (Bezirk Gänserndorf) schildert im "Heute"-Gespräch die Auswirkungen der Dürre. "Von der heurigen Trockenheit ist die ganze Landwirtschaft betroffen. Gerade im Weinviertel nahe dem Marchfeld spürt man es deutlich", erzählt Zillinger. Von Ende Juni bis zur vergangenen Woche sei praktisch kein nennenswerter Regen gefallen.
Die Folgen sind inzwischen unübersehbar. "In meinem Weingarten schaut es aus wie in der afrikanischen Savanne", so der Winzer. "Wir haben Schweine in den Weingärten. Außer trockenem Gras gibt es nichts mehr. Das ist das erste Mal, dass wir auch unsere Weingarten-Tiere über den Sommer zufüttern müssen."
Auch bei den Weintrauben zeigt sich der Wassermangel deutlich. Zillinger startete bereits am 24. August mit der Ernte von Muskateller, Sauvignon Blanc, Grünem Veltliner, Zweigelt, Weißburgunder und Chardonnay. Das ist eine Woche früher, als er sonst erntet.
"Die Trauben haben heuer wenig Flüssigkeit und die Beeren haben nur die halbe Größe wie sonst", erklärt er. Die Ausbeute ist entsprechend gering. Aus einem Hektar Weingarten gewinnt Zillinger heuer nach eigenen Angaben gerade einmal rund 1.000 Liter Saft. Zum Vergleich: Beim Sauvignon Blanc seien es auf derselben Fläche sonst 3.500 Liter. Der Boden sei bis in einen Meter Tiefe ausgetrocknet, führt der Winzer aus.
"Der große Unterschied ist, dass heuer die Zuckergradation und der Säuregehalt schon zum Start auf dem Niveau von der zweiten Septemberwoche eines normalen Jahres waren", so der preisgekrönte Winzer. Süße und Alkoholgehalt würden heuer rasch hinaufschießen, dabei geht die Nachfrage zu weniger alkoholreichem Wein.
Auch landesweit rechnen die Winzer mit erheblichen Verlusten. Wie "ORF NÖ" berichtet, geht der Präsident des Weinbauverbandes Niederösterreich, Reinhard Zöchmann, von einem Ernteminus von mindestens 30 Prozent aus. In bekannten Lagen im Kremstal, am Wagram, im Weinviertel und im Kamptal könnten die Einbußen teilweise sogar 50 Prozent erreichen.
Für Zillinger bedeutet die schwache Ernte nicht sofort einen Engpass. Er füllt seine Weine bewusst spät ab und lässt sie zunächst ein Jahr im Holzfass reifen.
Ganz entkommen kann aber auch er den Folgen der Dürre nicht. "Irgendwann trifft es mich auch. Dann verkaufe ich den jüngeren Wein vielleicht schon drei Monate früher, obwohl ich das eigentlich nicht wollte."