Wenn es in Wien stark und anhaltend regnet, muss es schnell gehen: Tausende Liter Regen- und Abwasser müssen innerhalb kürzester Zeit abtransportiert werden, damit Straßen und Keller nicht überflutet werden. Dafür hat die Stadt Wien nun ordentlich aufgerüstet.
Das Pumpwerk auf der Donauinsel wurde um 18 Millionen Euro modernisiert und mit einer gigantischen neuen Regenwasserpumpe ausgestattet. Die Anlage kann jetzt bis zu 60.000 Liter Wasser pro Sekunde bewegen – das entspricht dem Inhalt von rund 400 Badewannen. Allein die neue Hochleistungspumpe schafft 15.000 Liter pro Sekunde und ist damit laut Stadt Wien die leistungsstärkste Regenwasserpumpe ihrer Bauart in Europa.
Auslöser für den Ausbau waren auch die verheerenden Unwetter im September 2024, die Wien mit enormen Regenmengen überfluteten. Besonders für die Bezirke Floridsdorf und Donaustadt soll die neue Technik künftig mehr Sicherheit bringen.
"Verantwortungsvolle Politik bedeutet heute schon, an Übermorgen zu denken. Deshalb haben wir sofort nach dem verheerenden Hochwasser im September 2024 mit den Ausbauplänen für diesen Abwasserknoten begonnen. Wir stärken unsere Infrastruktur, um die Menschen in Floridsdorf und Donaustadt in Zukunft noch besser vor Starkregenereignissen zu schützen", erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).
In nur 22 Monaten wurde das Mammutprojekt von der Ausschreibung bis zur Inbetriebnahme umgesetzt. Neben der neuen Pumpe erhielt das Gebäude eine umfassende technische und energetische Sanierung.
An trockenen Tagen transportiert das Pumpwerk zwischen 600 und 2.000 Liter Abwasser pro Sekunde unter der Donau in Richtung Kläranlage Simmering. Bei Starkregen steigen die Wassermengen jedoch massiv an.
Dann kommen die Regenwasserpumpen zum Einsatz. Sie leiten sogenanntes Mischwasser – also mit Regenwasser vermischtes Abwasser aus Haushalten – bei Bedarf in die Donau ab. Dadurch wird das Kanalnetz entlastet und das Risiko von Überflutungen reduziert. Bisher lag die maximale Förderleistung bei 45.000 Litern pro Sekunde. Mit der neuen Pumpe steigt sie um ein Drittel auf 60.000 Liter.
Das Pumpwerk ist zugleich die Schaltzentrale für das gesamte 2.500 Kilometer lange Wiener Kanalnetz. Von der Leitwarte auf der Donauinsel aus werden die Abwassermengen der Stadt digital überwacht und gesteuert. Täglich fließt rund eine halbe Milliarde Liter Abwasser von zwei Millionen Menschen, 180.000 Gebäuden und sieben Umlandgemeinden durch das Wiener Kanalnetz.
Eine spezielle Software verarbeitet Daten von 700 Messstellen sowie Wetterprognosen. Rund 40.000 Datenpunkte werden über ein 100 Kilometer langes Glasfasernetz übertragen. So können die Verantwortlichen frühzeitig auf steigende Wassermengen reagieren. Auch die digitale Infrastruktur der Leitwarte wurde modernisiert und gegen mögliche Cyberangriffe besser abgesichert.
Doch damit nicht genug: Wien Kanal plant bereits den nächsten großen Ausbau. Auf der Donauinsel soll ein gigantisches unterirdisches Speicherbecken entstehen, das rund 100 Millionen Liter Abwasser aufnehmen kann.
Das Becken soll bei Starkregen überschüssiges Mischwasser zwischenspeichern und so verhindern helfen, dass dieses direkt in die Donau geleitet werden muss. Auch bei einem Ausfall des Pumpwerks soll es als Sicherheitsreserve dienen.
Zusätzlich ist eine zweite Abwasserleitung unter der Donau geplant. Die rund 500 Meter lange Rohrleitung soll eine weitere Verbindung in Richtung Kläranlage Simmering schaffen. Fällt die bestehende Leitung aus, soll die Abwasserentsorgung für Floridsdorf und Donaustadt trotzdem gesichert bleiben. Für beide Projekte wurde nun der Planungsauftrag erteilt. Ein konkreter Baubeginn oder Kostenrahmen wurde noch nicht genannt.