Öffifahren wird in Wien wieder teurer, mit Jahresbeginn 2027 sollen die Ticketpreise an die Inflation angepasst werden. "So wie ÖBB und VOR werden die Wiener Linien, wie vergangenen Herbst angekündigt, ihre Tarife jährlich am VPI (Verbraucherpreisindex) orientiert, anpassen", so eine Sprecherin der Wiener Linien zu "Heute". "Wir sind derzeit in der finalen Ausarbeitung. Die Wiener Linien beteiligen sich an keiner Preisspekulation."
Grund für die geplante Erhöhung ist die steigende Inflation. Die zuletzt bekannt gegebene September-Inflation lag im Jahresvergleich sogar bei 3,6 Prozent. Sollten die Wiener Linien ihre Preise daran orientiert anheben, könnte der Normalpreis der Jahreskarte für Vollzahler von derzeit 467 auf 483 Euro ansteigen – bei sofortiger Einmalzahlung. Bezieht man eine Jahreskarte per Ratenzahlung, wird es noch teurer.
An der geplanten Preiserhöhung gibt es scharfe Kritik. Als Verhöhnung bezeichnet FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss den Digitalrabatt: "Wer seine Jahreskarte digital nutzt, zahlt weniger. Wer eine klassische Karte benötigt oder bevorzugt, muss mehr bezahlen."
"Ausgerechnet ältere Menschen und technisch weniger versierte Fahrgäste werden damit zusätzlich benachteiligt", so Krauss. "Statt echter Entlastung gibt es einen Rabatt, der an die Nutzung einer App geknüpft ist. Für viele Wiener ist die Jahreskarte kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um zur Arbeit oder zum Arzt zu kommen."
"Bei den Spritpreisen hat die Bundesregierung eine Bremse beschlossen", ärgert sich Grünen-Verkehrssprecherin Elisabeth Götze. "Für Öffi-Fahrgäste gibt es keine vergleichbare Entlastung. Sie zahlen immer mehr, während die Politik die nächste Erhöhung als alternativlos verkauft. Das ist nicht gerecht – und es ist eine politische Entscheidung. Die Politik muss diese Preisspirale stoppen."
Damit nicht genug. Den Wienern drohen im nächsten Jahr auch höhere Gebühren für Müll-, Wasser- und Kanal, kritisiert die Wiener ÖVP. "SPÖ und NEOS wälzen ihr Budgetloch ungebremst auf die Bevölkerung ab. Statt die Menschen immer weiter zu belasten, muss die Stadt endlich im eigenen System sparen und Strukturen reformieren", so VP-Wien-Chef Markus Figl. Die Wiener ÖVP fordert den sofortigen Stopp der automatischen jährlichen Preiserhöhungen und das Ausschöpfen von Einsparpotenzialen in der Stadtverwaltung.
Auch online gehen die Wogen hoch. "Gut, dass ich mir gerade ein neues Fahrrad gekauft habe. Hab' fast 20 Jahre lang die Jahreskarte gehabt, 2026 wird das letzte Jahr sein", meint ein User auf der Plattform reddit.
"Ich wäre dafür den Preis fürs Parkpickerl auf die der Jahreskarte anzuheben", meint ein anderer reddit-User. Die Wiener Linien wollen noch im Herbst die neuen Preise für die Öffi-Tickets 2027 bekannt geben.