Leuchtendes Gelb, kräftiges Blau und jede Menge exotische Bewohner: Das Haus des Meeres in Wien-Mariahilf holt mit seinem neuen Aquarium die faszinierende Unterwasserwelt des afrikanischen Malawisees nach Wien. Das raumhohe Becken fasst rund 40.000 Liter Wasser und ist das bisher größte Süßwasseraquarium des Hauses.
Das neue Becken bildet den Höhepunkt der Ausstellung "Bedrohte Süßwasserorganismen rund um die Welt". Dabei soll nicht nur die Farbenpracht der Tiere gezeigt, sondern auch auf die Gefährdung ihrer natürlichen Lebensräume aufmerksam gemacht werden.
Denn Süßwasser ist ein kostbares Gut: Laut Haus des Meeres sind nur rund 0,02 Prozent des Wassers auf der Erde Süßwasser, gleichzeitig leben darin Schätzungen zufolge rund zehn Prozent der bekannten Tierarten.
Besonders beeindruckend ist die Artenvielfalt im Malawisee. Im Laufe der Evolution entstanden dort mehr als 800 verschiedene Buntbarscharten. Viele davon kommen ausschließlich in diesem See vor. Umweltverschmutzung, invasive Arten, Überfischung und die Folgen des Klimawandels setzen dem empfindlichen Ökosystem allerdings zunehmend zu.
"Der Malawisee zeigt eindrucksvoll, welche unglaubliche Vielfalt die Natur hervorbringen kann. Gleichzeitig erinnert er uns daran, wie verletzlich selbst große und scheinbar unerschöpfliche Ökosysteme sind. Als moderner, wissenschaftlich geführter Zoo wollen wir durch kontrollierte Nachzuchtprogramme zum langfristigen Erhalt der bedrohten Malawisee-Fischarten beitragen und Menschen für den Schutz dieser Lebensräume begeistern", erklärt Zoodirektor Jeff Schreiner.
Auch unter den Bewohnern des neuen Aquariums gibt es einiges zu beobachten. Der Weißlippen-Phenochilus nutzt etwa die Futtersuche des deutlich größeren Fünffleckmaulbrüters für seine eigenen Zwecke. Der kleinere Fisch folgt seinem größeren Kollegen und wartet darauf, dass dieser bei seiner Futtersuche Sand aufwirbelt. Aus den entstehenden Sandwolken stibitzt er sich anschließend die besten Futterstücke.
Eine weitere Besonderheit sind die vom Aussterben bedrohten Schwefelkopf-Kaiserbuntbarsche. Bei diesen Buntbarschen lässt sich eine ungewöhnliche Fortpflanzungsstrategie beobachten: Sie sind sogenannte Maulbrüter. Das Weibchen nimmt Eier und später auch die Jungfische in sein Maul und schützt sie dort über mehrere Wochen. Während dieser Zeit verzichtet die Fisch-Mama sogar auf die Nahrungsaufnahme.
Für die Besetzung des neuen Beckens setzt das Haus des Meeres nach eigenen Angaben auf Tiere aus professionellen Zuchten. Durch die Teilnahme an internationalen Zuchtprojekten sollen stabile Reservepopulationen aufgebaut und die genetische Vielfalt der bedrohten Arten langfristig erhalten werden.