Ein Gemeindebau wird zum Denkmal für einen seiner langjährigsten Bewohner: Am Dienstag (20. Oktober) wurde die städtische Wohnhausanlage in der Hohenbergstraße 34 in Wien-Meidling offiziell nach Wilhelm Hradil benannt.
Der frühere SPÖ-Bezirksvorsteher leitete den 12. Bezirk von 1959 bis 1976 und prägte dessen Entwicklung maßgeblich. Das Besondere an der Benennung: Hradil lebte selbst mehr als ein halbes Jahrhundert in dem Gemeindebau – bis zu seinem Tod im Jahr 2002. Nun trägt sein ehemaliges Zuhause seinen Namen.
Wilhelm Hradil wurde am 8. Februar 1914 als Sohn eines Straßenbahners in Wien geboren. Nach einer Lehre zum Schriftsetzer engagierte er sich bereits mit 16 Jahren in der Sozialistischen Arbeiterjugend. Nach den Februarkämpfen 1934 und dem Verbot der Sozialdemokratie setzte er seine politische Tätigkeit im Widerstand gegen das austrofaschistische Regime fort.
1941 wurde Hradil zur Wehrmacht eingezogen, im Krieg verwundet und später gefangen genommen. Nach seiner Rückkehr nach Wien im Jahr 1946 begann seine kommunalpolitische Karriere. 1950 wurde er Bezirksrat, neun Jahre später übernahm er das Amt des Meidlinger Bezirksvorstehers.
Während seiner 17-jährigen Amtszeit wurden unter anderem das Theresienbad renoviert, neue Parkanlagen geschaffen, moderne Wohnungen errichtet und wichtige Brücken gebaut: "Wilhelm Hradil hat sich sein Leben lang für die Menschen und für soziale Gerechtigkeit eingesetzt", würdigt Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) den ehemaligen Bezirkschef. Sein Einsatz habe vor allem gutem Wohnen, öffentlichen Grünräumen und einer lebenswerten Stadt gegolten.
Auch der amtierende Bezirksvorsteher Wilfried Zankl (SPÖ) erinnert an seinen Vorgänger: "Wilhelm Hradil war Meidling über viele Jahrzehnte eng verbunden. Als Bezirksvorsteher hat er mit großem Einsatz daran gearbeitet, den Bezirk lebenswerter zu machen – mit neuen Wohnungen, mehr Grün, wichtiger Infrastruktur und vielen Verbesserungen, die bis heute sichtbar sind."
Für seine Verdienste wurde Hradil unter anderem mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Auch nach seiner Pensionierung blieb er politisch und gesellschaftlich aktiv, unter anderem als Vorsitzender des Meidlinger Pensionistenverbands. Er starb am 15. November 2002 in Wien.
Auch das Gebäude selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Wohnhausanlage in der Hohenbergstraße 34 wurde zwischen 1927 und 1930 errichtet und stammt damit aus der Zeit des Roten Wien.
Der vom Architekten Camillo Fritz Discher geplante Gemeindebau umfasst 37 Wohnungen. Die zwei- und dreigeschoßigen Gebäude sind villenartig gestaltet und von terrassenförmig angelegten Grünflächen umgeben. Zwischen 1993 und 1995 wurde die Anlage umfassend saniert. Dabei wurden das Dach erneuert, die Fassade instandgesetzt und die Wohnungen an die Fernwärme angeschlossen.
"Der Wilhelm-Hradil-Hof steht für die lange Geschichte des Wiener Gemeindebaus und zugleich dafür, dass wir dieses wertvolle Erbe erhalten und weiterentwickeln", erklärt Wiener-Wohnen-Vizedirektor Daniel Milovic-Braun.