Insider packt aus

"5.000 Euro netto" – So kassieren Lehrer extra

Ein Lehrer berichtet, wie Kollegen mit Überstunden ihr Gehalt massiv steigern – und warum nicht alle davon profitieren.
Michael Pollak
14.04.2026, 05:45
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Nur für Überstunden bekam ein Lehrer 50.400 Euro extra – dieser Fall aus Kärnten sorgte vor einigen Tagen für Aufsehen. Jetzt meldet sich ein Insider zu Wort und schildert, wie solche Summen überhaupt möglich sind.

Sebastian P. (Name der Redaktion bekannt) arbeitet als Lehrer im Bezirk St. Pölten (NÖ). Er sagt: Hinter den hohen Zusatzverdiensten steckt oft ein eingespieltes System. "Man merkt es sofort, wenn man neu in eine Schule kommt, da bilden sich Grüppchen – das sind eher ältere Lehrer, die dem Direktor näherstehen als die anderen Pädagogen."

Diese Netzwerke, berichtet P., entscheiden darüber, wer zusätzliche Stunden zugeschanzt bekommt, und somit auch mehr Geld verdient. "Wir haben vor einigen Jahren geschätzt, dass Kollegen mit Überstunden ihren Lohn um etwa ein Drittel aufbesserten, das wären insgesamt etwa 5.000 Euro netto."

Das Prinzip dahinter sei einfach: Ein Vollzeitlehrer mit altem Vertrag steht 20 Stunden in der Klasse. Wegen des herrschenden Lehrermangels – und weil viele Teilzeit arbeiten –, kann der Direktor nicht alle benötigten Lehrstunden vergeben. "Diese schanzt man befreundeten Kollegen zu", so P.

Ein Drittel mehr Stunden und Lohn

So könne es passieren, dass einzelne Lehrer plötzlich bis zu 30 Stunden unterrichten, das sind 10 Überstunden pro Woche. "Kombiniert mit vielen Dienstjahren ergibt das die teuerste Variante", sagt der Insider. Jüngere Lehrer würden diese Stunden zwar günstiger übernehmen, sie kommen aber gar nicht zum Zug. "Denen fehlt innerhalb der Schule die richtige Seilschaft."

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Sebastian P. selbst habe zusätzliche Stunden übernehmen wollen. Erfolg hatte er keinen: "Man sagte mir, der andere Lehrer hat es schon immer gemacht, der hat 'erworbene Rechte'."

"Kenne mehrere Standorte"

Ein Einzelfall sei das nicht. "Da kenne ich mehrere Fälle aus diversen Standorten", betont P. Zwar habe sich die Lage zuletzt etwas beruhigt, doch noch immer würden "Überstunden an befreundete Lehrer verteilt".

Dementi aus der Bildungsdirektion

Wir haben in der Bildungsdirektion Niederösterreich nachgefragt, ob sie von solchen Vorgängen wissen. Für das Bundesland jedenfalls, werden die Vorwürfe zurückgewiesen. "In Niederösterreich wurden alle freien Stunden ausgeschrieben und konnten nahezu lückenlos besetzt werden, sodass sich die Frage der Überstunden nicht bzw. nur äußerst vereinzelt stellt. Die geschilderte Vorgehensweise können wir daher so nicht bestätigen."

Der Insider bleibt bei seiner Darstellung, aus Grundgehalt und Überstunden ergebe sich eine "Gehalts-Lawine" – das sei in heimischen Schulen keine Seltenheit.

{title && {title} } POM, {title && {title} } Akt. 14.04.2026, 06:17, 14.04.2026, 05:45
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