Berühmte Schriftstellerin

600.000 € – dieser Literatur-Schatz kommt ins Rathaus

Ein literarischer Schatz kommt ins Wiener Rathaus: Die Stadt übernimmt den erhaltenen Teil des Archivs von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.
Wien Heute
06.10.2026, 10:04
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Wien sichert sich ein Stück Literaturgeschichte. Die Stadt übernimmt den erhaltenen Teil des literarischen Archivs von Elfriede Jelinek (79). Der sogenannte Teilvorlass der Literaturnobelpreisträgerin und Wiener Ehrenbürgerin soll künftig in der Wienbibliothek im Rathaus aufbewahrt werden.

Der Ankauf hat einen stolzen Preis: 600.000 Euro sind dafür vorgesehen. Ein entsprechender Antrag wird am Dienstag im zuständigen Gemeinderatsausschuss behandelt. Die Summe wurde laut Stadt auf Basis von zwei Gutachten festgelegt – einem internen Schätzgutachten und der Bewertung eines unabhängigen Experten.

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Manuskripte, Briefe und persönliche Dokumente

Der Bestand umfasst das gesamte erhaltene literarische Archiv Jelineks von ihren publizistischen Anfängen bis in die 2000er Jahre. Darunter befinden sich Werkmanuskripte und Typoskripte, Korrespondenzen und Lebensdokumente.

Besonders interessant für die Forschung dürften auch jene Sammlungen sein, die Jelinek selbst angelegt hat. Darin dokumentierte die Schriftstellerin unter anderem, wie ihre eigenen Werke aufgenommen und diskutiert wurden.

Verhandlungen im heurigen Juli

Nach der Übernahme soll das Material von der Wienbibliothek wissenschaftlich aufgearbeitet und erschlossen werden. Danach soll der Teilvorlass – wie andere Vor- und Nachlässe der Bibliothek – Forschern und auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Wienbibliothek hatte bereits 2025 Kontakt mit Jelinek aufgenommen, um den langfristigen Erhalt des Archivs zu sichern. Im Februar 2026 erklärte sich die Schriftstellerin schließlich zu Verkaufsverhandlungen bereit. Ende Juli begannen die konkreten Verhandlungen.

Sammlung als Gewinn für Wien

"Wien ist eine Stadt der Literatur und seit Jahrzehnten auch der Lebensmittelpunkt einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen unserer Zeit", erklärt Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Jelineks Werk werde weltweit gelesen, gespielt und diskutiert. Mit dem Ankauf übernehme Wien "Verantwortung für ein kulturelles Erbe von Weltrang".

Auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) spricht von einem großen Gewinn für Wien und die internationale Literaturforschung. Jelineks Werk habe Literatur und Theater weit über Österreich hinaus geprägt und immer wieder gesellschaftliche Debatten ausgelöst.

Jelinek erhielt 2004 den Literaturnobelpreis

Elfriede Jelinek wurde am 20. Oktober 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren, wuchs jedoch in Wien auf. Sie selbst bezeichnet sich ausdrücklich als Wienerin und betont, nie dauerhaft in der Steiermark gelebt zu haben.

Jelinek zählt zu den international bekanntesten und zugleich kontroversesten österreichischen Schriftstellerinnen der Gegenwart. Zu ihren bekanntesten Werken gehören etwa "Die Liebhaberinnen", "Die Klavierspielerin", "Lust" und "Die Kinder der Toten". Neben Romanen verfasste sie zahlreiche Theatertexte, Essays und politische Texte. Im Jahr 2004 erhielt Jelinek den Nobelpreis für Literatur.

red,06.10.2026, 10:04