Am Wiener Ring wird wieder gebaut. Zwischen Schottentor und Franz-Josefs-Kai startet die Stadt mit der Neugestaltung der Rad- und Fußwege. Der erste Abschnitt ist rund 700 Meter lang, die Arbeiten sollen bis Sommer 2027 dauern.
Kern des Umbaus ist die derzeitige Nebenfahrbahn: Dort soll ein 4,50 Meter breiter Zwei-Richtungs-Radweg entstehen. Der bisher gemeinsam von Fußgängern und Radfahrern genutzte Bereich in der Baumallee wird künftig ausschließlich Fußgängern zur Verfügung stehen. Die Hauptfahrbahn für Autos und Öffis soll vom Umbau nicht betroffen sein.
Gleichzeitig wird der Abschnitt begrünt. Laut Stadt werden 4.000 Quadratmeter entsiegelt und mit versickerungsfähigem Pflaster versehen. Zusätzlich entstehen 900 Quadratmeter neue Grünflächen. Zwölf weitere Bäume sowie rund 60 Sitzgelegenheiten sind geplant.
"Das Hauptaugenmerk der Neugestaltung am Ring liegt auf der Entflechtung des Rad- und Fußverkehrs. Wo es jetzt oft eng und unübersichtlich ist, wollen wir für klare Verhältnisse und eine eindeutige Routenführung sorgen", so Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SPÖ). "Im Rahmen unserer großen Radweg-Offensive haben wir bereits mehr als 100 km neue Radinfrastruktur errichtet, unter dem Motto ´Raus aus dem Asphalt` über 340 Entsiegelungsprojekte in ganz Wien umgesetzt. Mit diesem Mega-Projekt der nächsten Jahre am Ring setzen wir in Wien noch einmal neue Maßstäbe in Sachen großzügiger, komfortabler und begrünter Infrastruktur für alle, die umweltfreundlich mit dem Rad oder zu Fuß in der Stadt unterwegs sind."
Eine Besonderheit gibt es beim Asphalt. Der neue Radweg soll nicht in der üblichen Optik ausgeführt werden, sondern sandfarben sein. Die Farbe wird dabei direkt in den Asphalt eingearbeitet. Damit will die Stadt auf die früheren geschotterten Reit-Alleen am Ring Bezug nehmen. Bei der Planung wurden laut Aussendung auch Ringstraßen-Historiker der TU Wien einbezogen.
Auch die Trennung der Verkehrsarten soll deutlicher werden. Kleine gepflasterte Inseln sollen Fußgängern das Überqueren des Radwegs erleichtern. Gleichzeitig sollen sie Radfahrer an diesen Stellen zum langsameren Fahren bringen.
Mit dem ersten Abschnitt ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen. Nach den Arbeiten zwischen Schottentor und Franz-Josefs-Kai sollen weitere Teile der Ringstraße folgen. In der zweiten Bauphase sind Universitätsring, Stubenring, Parkring und Schubertring vorgesehen. Danach sollen Opernring, Burgring und Dr.-Karl-Renner-Ring an die Reihe kommen. Den Abschluss bildet laut den derzeitigen Plänen der Kärntner Ring.
"Mit dem heutigen Baustart wird unsere Idee für den Ring erstmals konkret sichtbar: Am Schottenring schaffen wir dort, wo Rad- und Fußverkehr heute noch auf engem Raum zusammentreffen, zwei klar getrennte Bereiche. Der neue Zwei-Richtungsradweg nutzt das Potenzial der Nebenfahrbahn, während die historische Baumallee wieder ganz den Fußgänger gehört. Gleichzeitig entsiegeln und begrünen wir diesen Abschnitt und schaffen neue Orte zum Sitzen und Verweilen. Genau diese Verbindung aus guter Mobilität, historischer Identität und mehr Lebensqualität wollen wir jetzt Schritt für Schritt entlang des gesamten Rings umsetzen", so NEOS-Wien-Klubvorsitzende Selma Arapovic.
Der Ring-Umbau ist Teil der Wiener Radweg-Offensive. Für 2026 nennt die Stadt insgesamt 33 Projekte mit rund 12,5 Kilometern neuer Radinfrastruktur. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf größeren Radverbindungen und dem Schließen bestehender Lücken.
SPÖ-Klubvorsitzender Josef Taucher sieht im Ring-Projekt einen weiteren Schritt in diese Richtung: "Radfahren und Zu-Fuß-Gehen sind zentrale Hebel für die Mobilitätswende – und damit für saubere Luft, Gesundheit und Lebensqualität. Wir in Wien setzen auf nachhaltige Fortbewegung und unterstützen die Wiener*innen in ihrer Mobilität."
Bevor der Ring umgestaltet wird, erneuern die Wiener Wasserwerke in dem Bereich Wasserrohre. Die eigentlichen Umbauarbeiten werden von der MA 28 durchgeführt und sollen im ersten Abschnitt bis Sommer 2027 abgeschlossen sein.