Der Eklat um das umstrittene Lueger-Denkmal zieht immer weitere Kreise. Nach den antisemitischen Angriffen auf einen jüdischen Kunststudenten verlangt die Universität für angewandte Kunst jetzt die sofortige Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes.
Auslöser der Debatte war eine Kunstaktion des jüdischen Künstlers und Angewandte-Studenten Alon Ishay vergangene Woche. Er hatte das erst kürzlich um 3,5 Grad geneigte Lueger-Denkmal mit wasserlöslicher Sprühkreide und Stickern künstlerisch kommentiert. Die Aktion endete mit einem Großeinsatz der Polizei, Anzeigen gegen den Künstler – und kurz darauf mit antisemitischen Beschimpfungen, Bespucken und einem tätlichen Angriff durch Passanten.
Das Rektorat der Universität für angewandte Kunst reagierte am Donnerstag mit einer scharfen Stellungnahme. Darin wird an zahlreiche antisemitische Aussagen des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger erinnert, darunter Zitate aus dem Reichsrat, die heute als offene Hetze gegen Juden gelten.
Für die Universität zeigen die jüngsten Vorfälle, dass der Platz trotz der millionenschweren Umgestaltung weiterhin ein Anziehungspunkt für Rechtsextreme und Neonazis sei. Die bloße Schrägstellung des Denkmals reiche nicht aus, um eine kritische Erinnerungskultur zu schaffen.
Die Angewandte fordert daher, den Dr.-Karl-Lueger-Platz künftig nach der jüdischen Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis zu benennen. Die aus Wien stammende Designerin und Bauhaus-Künstlerin studierte an der damaligen Kunstgewerbeschule, bevor sie von den Nationalsozialisten nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde.
Mit der Umbenennung solle ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und für das jüdische, internationale Wien gesetzt werden.
Die Forderung dürfte die ohnehin hitzige Diskussion um das Lueger-Denkmal weiter anheizen. Erst vor wenigen Wochen war das umstrittene Monument nach einer 776.000 Euro teuren Umgestaltung wieder enthüllt worden. Die Schräglage des Denkmals soll Besucher zum Nachdenken über Luegers historische Rolle anregen.