60 Jahre alt ist die TAB-Gruppe aus Ansfelden im Bezirk Linz-Land, jetzt eskalieren die finanziellen Turbulenzen. Begonnen hat alles mit der Firma "Automaten Dattl", die sich zunächst mit der Aufstellung von Darts, Tischfußball und Billard beschäftigte.
Über die Jahrzehnte entwickelte sich daraus ein international tätiges Geschäft rund um Unterhaltungs- und Spielgeräte. Nach eigenen Angaben kommt die Gruppe auf eine Exportquote von mehr als 99,5 Prozent und arbeitet mit Vertriebspartnern in über 40 Ländern zusammen. Zu den größten Aufträgen zählten die Lieferung von mehr als 20.000 Wettterminals an Global Draw in Großbritannien sowie von mehr als 15.000 Wettterminals für den englischen und spanischen Markt.
Jetzt stecken gleich zwei Firmen der Gruppe in finanziellen Schwierigkeiten.
Sowohl die TAB-AUSTRIA Industrie- und Unterhaltungselektronik GmbH & Co KG als auch die DATTL Unterhaltungselektronik GmbH & Co KG haben beim Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Zum Zeitpunkt der Mitteilung waren die Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet.
Bei TAB-AUSTRIA stehen laut Insolvenzantrag insgesamt rund 4,145 Millionen Euro offen. Davon entfallen rund 2,05 Millionen Euro auf Banken, rund 360.000 Euro auf Lieferungen und Leistungen und rund 1,7 Millionen Euro auf verbundene Unternehmen. Weitere rund 35.000 Euro betreffen Mitarbeiter. Mehr als 50 Gläubiger sind von der Pleite betroffen.
Bei DATTL geht es um Gesamtforderungen von rund 4,075 Millionen Euro. Den größten Brocken machen mit rund 3,8 Millionen Euro Forderungen verbundener Unternehmen aus. Dazu kommen rund 240.000 Euro aus Lieferungen und Leistungen sowie rund 35.000 Euro gegenüber Mitarbeitern. Insgesamt sind hier 19 Gläubiger betroffen.
Zusammengerechnet stehen bei den beiden Firmen damit rund 8,22 Millionen Euro an Verbindlichkeiten im Raum.
Bei TAB-AUSTRIA werden mehrere Gründe für die finanzielle Schieflage genannt. Dazu zählen die Folgen der Corona-Pandemie, Lieferkettenprobleme und ein erheblicher Umsatzrückgang im Stammgeschäft mit Unterhaltungselektronik. Verzögerungen bei der Auslieferung und Abrechnung von Geräten, die negative Entwicklung der Absatzmärkte in arabischen Ländern sowie beträchtliche Forderungsausfälle hätten die Situation zusätzlich belastet.
Bei DATTL werden ebenfalls starke Marktveränderungen infolge der Pandemie als Ursache angeführt. Dazu kamen witterungsbedingt schwächere Einspielergebnisse sowie hohe einmalige Personalkosten durch Abfertigungen. Nach Angaben im Insolvenzantrag ist der Gesamtmarkt im Kerngeschäft der Geräteaufstellung innerhalb der vergangenen fünf Jahre um geschätzte 30 Prozent zurückgegangen.
Beide Unternehmen sollen trotz der finanziellen Probleme weitergeführt und saniert werden. Die Sanierungspläne sehen für die Insolvenzgläubiger jeweils eine Quote von 20 Prozent vor, die innerhalb von zwei Jahren bezahlt werden soll. Die notwendigen Mittel sollen unter anderem aus dem fortgeführten Kerngeschäft sowie durch die Aufnahme von Mezzaninkapital kommen.
Bei TAB-AUSTRIA waren laut Insolvenzantrag bereits vor der Antragstellung sämtliche bisher beschäftigten Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausgeschieden. Im Zuge der geplanten Fortführung ist die Beschäftigung von zwei Mitarbeitern vorgesehen. Kosten wurden bereits gesenkt und Strukturen angepasst.
Auch DATTL hat bereits bei Personal, Fuhrpark, Sach- und Verwaltungskosten gespart. Künftig soll sich das Unternehmen verstärkt auf sein Kerngeschäft konzentrieren.