"Da geht mein Blutdruck durch die Decke." Das Thema Vereinslokale bringt OÖ-Wirtesprecher Gerold Royda in Rage. Im Gespräch mit "Heute" kritisiert er, dass Vereine beim Ausschenken unter bestimmten Voraussetzungen Vorteile genießen, während gewerbliche Gastronomen ihre laufenden Kosten stemmen müssen. Für ihn ist diese Konkurrenz "eines unserer größten Probleme".
Sein Vorwurf: Gewerbliche Wirte müssen Personal bezahlen, Mitarbeiter anmelden und Steuern sowie Abgaben entrichten. Vereine könnten dagegen unter bestimmten Voraussetzungen von Erleichterungen profitieren. Für Royda gerät dadurch der Wettbewerb in Schieflage. Seine Forderung ist knapp: "Gleiches Recht für alle."
Besonders ärgert Royda die 72-Stunden-Regel: Seit einer Reform 2016 zählen bei begünstigten Vereinsfesten die tatsächlichen Ausschankstunden. Zuvor galten unterschiedliche Grenzen: im Steuerrecht 48 Stunden, im Gewerberecht drei Tage. Das heutige Kontingent lässt sich etwa auf zwölf sechsstündige Abende verteilen.
Genau darin sieht Royda das Problem: "Wenn ich praktisch technisch gesehen von 18 Uhr bis 24 Uhr Veranstaltung mache, dann sind das nur sechs Stunden von meinen 72." Sein Urteil: "Das war der Genickbruch. Und das gehört sofort repariert."
Royda sieht dennoch eine Entwicklung, die weit über gelegentliche Feste hinausgehe. Er spricht von einer "Vereinsexplosion" und wirft manchen Gründern vor, gezielt die Vorteile auszunutzen: "Es ist mittlerweile ein Geschäftsmodell. Da gründen sich Vereine, die nichts anderes tun, als dieses Geschäftsmodell zu nutzen."
Seiner Einschätzung nach entgehen Österreich dadurch "hunderte Millionen" an Steuern und Abgaben. Royda grenzt seine Kritik ausdrücklich ab: "Es geht nicht um die Feuerwehr, es geht nicht um die Bergrettung." Er kritisiert Vereine mit eigenen Lokalen: Allein in Linz habe es laut ihm vor einigen Jahren 68 solcher Kulturvereine gegeben.
Dem Wirtesprecher gehe es um faire Bedingungen für die Gastronomie: "Ich bin keiner, der jetzt das Wirtesterben befeuert." Denn eine "Branche totzureden, ist das Schlechteste, was man machen kann." Es gehe ihm um Chancengleichheit. "Und das ist das, was die Politik endlich einmal begreifen muss."